Museum der Zukunft: Interaktive E-Books als die Ausstellungskataloge von morgen (?)

Das digitale Zeitalter bringt viele neue Möglichkeiten ans Tageslicht. Bis vor kurzem habe ich am E-Book „Open Your Eyes – StreetArt in Düsseldorf“ gearbeitet, das Anfang des Monats nun im iBook-Store erschienen ist. Zusammen mit dem 11punkt Verlag habe ich dabei die Chancen für eine Kunstrichtung mit einem interaktiven, digitalen Buch, dass auf iPad und Co gelesen und erlebt werden, ausgelotet. Das macht nicht nur Spaß, sondern eröffnet auch neue Horizonte. Ich bin gespannt, wie das Thema auf dem E-Book-Markt ankommt. Die elektronischen Reader sind mittlerweile weit verbreitet. Täglich sehe ich Menschen in der Bahn oder in der Stadt – ausgestattet mit iPad bis Kindle. Viele lieben das gedruckte Buch, nutzen aber die kompakten Lesegeräte zusätzlich, weil sie eben einige Vorteile haben. Daher meine Frage: Wäre es nicht denkbar, dass in Zukunft Museen auch Ausstellungskataloge in Form von E-Books parallel zu den reich gefüllten, aber oft dicken und unhandlichen Papierbüchern mit produzieren? Gibt es genug Inhalte dafür – auch digitaler Art? Oder können diese zusätzlich erstellt werden? Welchen Mehrwert könnte ein E-Katalog haben? Was ist damit möglich, was ein „normales“ Ausstellungsbuch nicht kann?

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„Open Your Eyes – StreetArt in Düsseldorf“ im iBook-Store

Leider gibt es in Deutschland keine bis wenig Praxisbeispiele, die ich für den Artikel heranziehen kann. Deswegen konzentriere ich mich auf Ideen, die mir mit den technischen Funktionen durch den Kopf schossen. Es sind Ansätze und Anstöße für den kreativen Umgang mit dem E-Book und vor allem den Widgets, die den Mehrwert und das Medium als solches begründen (auch wenn wir einige der Technologien erst mit dem nächsten und übernächsten Update umsetzen ). Auf geht’s!

Galerie-Funktion

Ein gedrucktes Ausstellungsbuch hat eine begrenzte Seitenzahl. Oft entscheidet das Budget, wie viele es genau sind. Dieses Problem stellt sich bei einem E-Book nicht. Und gerade bei Bildbänden ist dies ein entscheidender Vorteil. Oft muss sich ein Kurator gegen eine erweiterte Bildauswahl bei einem Papierkatalog entscheiden. Die Galerie-Funktion eine E-Books bietet die Chance, ganzen Bilderstrecken zu integrieren, Vergleichsmaterial bereit zu stellen und Bilder im Volbild hochauflösend zu zeigen. Digital kennt keine bis wenige Pixel.

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Fotogalerien in E-Books sparen Platz und bieten neuen Raum

Verlinkungen

Einen Link in einem gedruckten Buch zu platzieren, ist sehr unnütz. Nahezu kein Mensch tippt eine vielleicht relevante Verlinkung aus einem Buch in seinen Internetbrowser. Beim E-Book stellt sich diese Problem nicht. Mit einem Fingertipp gelangt der Leser auf den externen Content im Web. So lässt sich wunderbar auf erweiterte Informationen verlinken, die den Interessierten querverweist. So können unter anderem auch ganze Textwüsten entschlackt werden, eine Quellen im Netz mit ergänzendem Material ist schnell angelegt. Natürlich lässt sich auch wunderbar nach Ausstellunsgeröffnung mit dem nächsten E-Book-Update auf den Pressespiegel oder Rezensionen auf Blogs verlinken. Zudem wird die Einbindung von Glossar am Ende des digitalen Buches endlich sinnig. Mit einem Klick gelangt man auf die entsprechende Seite auf ein Schlagwort/Begriff im E-Book.

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Verlinkungen im Text auf der Seite zu den Majo Brothers

Scroll-Funktion:

Reicht ein Textfeld auf einer Seite nicht aus, muss im klassischen Buch gekürzt werden. Gnadenlos. Da gibt es wenig Spielraum. Doch genau das ist wiederum im E-Book vorhanden. Die simple Technologie des Scrollens ist der Schlüssel. So kann der Kurator Texte beliebig lang schreiben, Ideen ausformulieren und der Leser entscheiden, wie tief er in die Materie einsteigen möchte.

Medien Funktionen:

Audio und Video sind DIE bestimmenden Medien im Internet. Sonst wären Plattformen wie Spotify, Soundcloud, Youtube, Vimeo, oder oder oder nicht so erfolgreich. Doch wie Multimedia auf Papier bringen? Kaum möglich, eventuell mit dem Behelf eines QR-Codes. Doch der Aufwand der Produktion von Künstlerinterviews, Kuratorengesprächen, Besucherstimmen, Hintergrundgeschichten, Musik oder welchen Inhalts in Geräusch und Bewegtbild auch immer sollte doch auch einfach und direkt vom Interessierten abrufbar sein. Im E-Book ist dies mit wenigen Klicks getan. Entweder als eingebetteter externer Inhalt oder direkt mit Mediaplayer-Integration. Insgesamt verlängern solche Medien die Verweilzeit in einem E-Ausstellungskatalog – vorausgesetzt, die Inhalte sind auch spannend produziert.

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Verortungen mit Google-Maps.

Verortungen

Wo kommt welches Objekt her, welche Sammler aus welchem land hat das Gemälde bereitgestellt, wie sieht die Provinenz einer Skulptur aus, welche Routen hat ein Künstler während sein Lebenszeit zurück gelegt? Viele Fragen, auf die iBook-Author ein hervorragendes Tool bereit hält: Die Google Maps-Verortung. Hier können die Koordinaten von jedem Ort auf der Welt eingetragen und mit einander verbunden werden.

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Galerien, die ab demnächst auch „teilbar“ sind

Interaktive Funktionen:

Ikonographie und Ikonologie in einem Bild direkt greifbar machen. Das lässt sich zum Beispiel direkt mit dem Widget „Interaktive Bilder“ lösen. Hier ist ein Zooma auf eine ganz bestimmte Stelle im Bild möglich. Zusätzlich kann hier in einem Sichtfenster Text hineingebracht werden. So kann man den leser eines E-Books auf eine kleine, interaktive Reise durch ein Bild schicken.

Sharing-Funktionen

Einem Leser gefällt ein Bild besonders gut? Ein Leser mag ein Zitat oder ein Textabschnitt? Doch wie kann er das anderen ad hoc mitteilen. Hierfür und speziell für Social Media bietet das Format E-Book die Möglichkeit von Social Sharing. Der Like- und Share-Button, das Twitter-Tweet, das Pinnen mit Pinterest, und und und. Egal welches Netzwerk gewünscht ist, für alle gibt es den richtigen Knopf, der an jede beliebige Stelle gesetzt werden kann. So erreichen die Inhalte nicht nur den einen leser, sondern auch weitere Interessenten, die einen Appetizer auf den Ausstellungskatalog erhalten.

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E-Books machen Spaß und bieten viel Content

Und noch viel mehr

Dokumente wie pdfs,docs, xls oder ppt können ohne Weiteres in ein E-Book mit aufgenommen werden. Mit HTML können eigene Ideen ganz einfach gebaut werden. Doch der Baukasten Internet lässt eigentlich keine Wünsche offen: Von dreidimensionalen Abbildungen eines Objektes bis hin zu Social Streams. Letzeres haben wir zum Beispiel auch bei „Open Your Eyes – StreetArt in Düsseldorf“ mit aufgenommen. Dabei aktualisiert sich eine Seite durch in Echtzeit gepostete Inhalte aus dem Web, die mit dem Hashtag #streetartdue verschlagwortet sind. Dadurch hat der Leser nie ein und das selbe Buch vor sich.

Ich kann jedem Museum nur empfehlen, sich einmal mit dem Thema E-Book auseinander zu setzen. Nicht nur die Funktionalität ist ein Pluspunkt des Mediums, sondern auch die richtungsweisende Verbreitung weltweit. Die Welt wird immer digitaler, da die Menschen lernen, mit den Ihnen zu Verfügung stehenden Technologien umzugehen. Das wird auf Kurz oder Lang auch nicht vor dem Thema „Ausstellungskatalog“ halt machen. Und mal ganz ehrlich: Welches Museum hat von einer Ausstelllung schon einmal alle Ausstellungskataloge verlauft und keine Restexemplare zur Einlagerung übrig😉

9 Kommentare

  1. Klasse Artikel, stimme voll zu. Um die Angst der Museen vor Raubkopien und damit verlorene Einnahmen zu nehmen, könnte man sich vielleicht auch ein Ausstellungskatalog-App vorstellen. Mit diesem würde sich der Ausstellungsbesuch auch ganz anders gestalten.

    1. Danke für deinen Kommentar. Ich glaube, Angst spielt da erst einmal keine Rolle – zumal iPad-E-Books sich auch nicht einfach kopieren lassen. Zudem gibt es ja einige Varianten von Geschäftsmodellen, die einen Mehrwert (Print+Digitalbuch) bieten können. Aber: Erst mal überhaupt mit dem Thema beschäftigen. Das ist Step 1.

  2. Danke für deinen Artikel – eine sehr spannende Angelegenheit! Wir haben in der Vergangenheit lediglich ausverkaufte Ausstellungskataloge, die aus Kostengründen keine Neuauflage erfahren konnten, online in Vollversion auf ISSUU zugänglich gemacht. Wir spielen gerade mit dem Gedanken einen E-Ausstellungskatalog zu gestalten… – besonders die kontinuierliche Interaktivität und der Echtzeit-Faktor, die du durch Einbindung von Social Media beschreibst finde ich sehr interessante Aspekte. Barbara Royc/Essl Museum

    1. Gerne für den Artikel🙂 Das Thema ist spannend – vor allem auch deswegen, weil es bisher ein Feld ist, wo es wenig Praxisbeispiele gibt. Der Echtzeit- und Social-Aspekt ist sicherlich eines der Highlights. Aber auch die Interaktivität und Multimedialität. Da kann man VIEL machen🙂 Das, was in meinem E-Book ist, kratzt erst einmal auch nur an der Oberfläche. Viele Grüße, Sebastian Hartmann

  3. […] through it, while interested in special exhibits. S. Hartmann wrote in his blog recently about the advantages of the e-book format for exhibition catalogues (German) and I […]

  4. Ein wunderbarer Artikel, wo ich hoffe das sehr viele Museen Ihn lesen werden.
    Im Moment bin ich selbst am kämpfen einigen Museen diese neue Art von Museum zugänglich zu machen, in Verbindung mit Fotowalks und Social Media. Da passt die Idee von diesem Artikel wunderbar.
    Danke sagt Daniela

  5. […] mit dem E-Book “Open your Eyes – StreetArt in Düsseldorf” vor. Warum nicht ein E-Book als Museumskatalog oder auch Stadtführer aufsetzen, das seine Inhalte zum Teil selbst […]

  6. […] zu notieren o.ä.? Daher kann ich mich als “Museumsmensch” Sebastians Plädoyer für Ausstellungskataloge in diesem Format nur anschließen. Doch noch ist ein enhanced ebook nicht […]

  7. […] das für Kulturbetriebe heißen könnte, das hat Sebastian Hartmann in seinem Blogbeitrag “Museum der Zukunft: interaktive eBooks als die Ausstellungskataloge von Morgen(?)” bereits anklingen lassen. Beim kommenden Treffpunkt KulturManagement werden uns unsere […]

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