„Museum der Zukunft“: SummerTalk mit Jenni Fuchs, Staatliche Museen zu Berlin

Etwas länger her ist das letzte Interview zum Museum der Zukunft und auch die gesamte Reihe, bei denen ich mit verschiedenen Museumsmenschen über Ihre Ideen und Vorstellung von Museen von morgen sprach. Heute gibt es das vorerst letzte Interview. Nicht auszuschließen, dass aber noch was nachkommen mag. Ich danke Jenni Fuchs, die nicht nur für die Social Media-Arbeit der Staatliche Museen zu Berlin verantwortlich ist, sondern auch einen wunderbaren Blog hat. Herzlich willkommen zum SummerTalk, der im Oktober etwas verspätet ist😉

SH: Es geht um #Museum #Besucher und #Zukunft. Soweit so gut. Wie bei allen vorangegangenen Interviews würde ich dich bitten, die einmal mit 3 Hashtags vorzustellen. In Hashtags bist du ja geübt🙂 

JF: #museogeek #blogger #germanbybirthscottishatheart

SH: Alles klar. Und jetzt bitte drei Hashtags zum Museum, in dem du arbeitest (Hier wäre ein Foto zu einem Hashtag super!)

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Museumsinsel Berlin: #kunst #kultur #antike

JF: #kunst #kultur #antike

SH: Damit ist der Hashtag-Hattrick besiegelt. Sehr schön! Nun zum harten Tobac: In einer Welt – egal ob heute oder morgen – gibt es immer und überall Konkurrenz. Auch bei den Museen. Was glaubst du, ist das besondere an deinem Museum? Warum kommen die Menschen und kaufen eine Eintrittskarte? Sind es vielleicht die von dir genannten drei Hashtags?

JF: Also, zu den Staatlichen Museen zu Berlin gehören ja mehrere Museen und Sammlungen. Von antiken, archäologische Schätzen, über Weltkulturen und Alte Meister, bis hin zur Modernen Kunst gibt es alles zu sehen. Diese Vielfalt lockt natürlich viele Besucher an, und für etliche Museen gibt es auch Kombikarten, das lohnt sich dann umso mehr.

SH: Menschen, die im Museum arbeiten, tun dies ja im Allgemeinen mit großer Motivation. Oft steckt sehr viel Leidenschaft und Freude an der Materie da drin. Gab oder gibt es für dich im Museum einen Lieblingsobjekt oder Lieblingsort, zu dem du jeden Besucher hinschleifen würdest?

JF: Mein Lieblingmuseum bei den Staatlichen Museen zu Berlin ist das Museum Europäischer Kulturen in Dahlem, da ich meine Museumskariere mit einem Studium in Europäischer, bzw Schottischer, Ethnologie begonnen habe. Hinschleppen lassen sich Besucher allerdings lieber zur Museumsinsel, die ich als Ort auch sehr gerne habe. So viele imposante Museen voll kultureller Schätze auf einem Fleck. Natürlich will jeder die Nofretete im Neuen Museum und den Pergamonaltar sehen, aber wer schon mal auf der Museumsinsel ist sollte sich auch unbedingt die Caspar David Friedrich Sammlung in der Alten Nationalgalerie anschauen.

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Jennis Lieblingsobjekt: Der Pergamonaltar

SH: Von der Vergangenheit ins Hier und Jetzt: Heutzutage kommt auch ein Museum nicht mehr um das Thema digitale Netzkultur herum. Viel zu groß ist dieses Internet geworden. Oder mal positiv formuliert: Museen können für sich und die Besucher eine Homepage, ein Blog, Facebook, Apps und vieles mehr optimal nutzen. Welchen Stellenwert hat dies alles aktuell und in Zukunft für das SMB  und für die Institution „Museum“ überhaupt?

JF: Heutzutage wird von Museen im Prinzip erwartet, dass sie sich in der digitalen Netzkultur präsentieren. Das wird in Zukunft wenn überhaupt nur noch zunehmen. Die Staatlichen Museen zu Berlin nutzen soziale Medien und Netzwerke um über ihre Veranstaltungen und Ausstellungen zu informieren, Inhalte über Museen und Sammlungen zu teilen und eine Plattform aufzubauen, auf der interessierte Nutzer sich austauschen können. Es wird auch immer nach neuen, kreativen Ideen gesucht, um virtuellen Besuchern etwas Mehrwert zu bieten, z.B. durch die animierten YouTube Adventskalender oder die erfolgreiche “Kunstgeschichten” Serie bei der Facebook Fans zusammen zu einem Kunstwerk eine Geschichte erzählen.

SH: Was glaubst du, wie sich das Internet und der ganzen „Rattenschwanz“ auf die Besucherzahlen, die ja für Museen sehr wichtig sind, in Zukunft auswirken wird? Böse Stimmen behaupten ja, dass die Menschen fern bleiben, weil alles bald im Internet zu sehen sein wird.

JF: Wichtig ist, nicht zu erwarten dass die Besucherzahlen vor Ort im Museum durch Austausch im Internet plötzlich in die Höhe schiessen werden. Das ist eine falsche Auffassung von Erfolg. Viele virtuelle Besucher können das Museum gar nicht “in echt” besuchen, weil sie viel zu weit weg wohnen. Man sollte statt dessen virtuelle Besucher eine zusätzliche Besuchergruppe ansehen. Solange durch digitale Interaktionen nicht weniger Besucher als vorher ins Museum kommen, kann man meines Erachtens von einem Erfolg sprechen. Und ich glaube nicht, dass die Menschen fern bleiben werden, denn es gibt da ja immer noch das Phänomen dass man auf English “the power of the real” nennt. Denn auch vor dem Internet gab es schon endlose Bücher mit Abdrucken von Gemälden, Kunstschätzen usw. Da konnte man also auch schon “alles sehen”, und trotzdem sind die Menschen nicht fern geblieben. Das Internet ist nur ein anderes Medium.

SH: Spielen wir noch einmal ein wenig Zeitmaschine. Was werden in 10 Jahren die Highlights in den SMB sein?

JF: Ich vermute da wird sich im Großen und Ganzen nicht all zu viel ändern: der Pergamonaltar, die Nofretete und die Museumsinsel an sich; Caspar David Friedrich, Karl Friedrich Schinkel und die Alten Meister in der Gemäldegalerie. Aber die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin sind so umfangreich, dass jedes Museum seine eigenen Highlights hat, die kann ich gar nicht alle aufzählen. Wussest Du z.B. dass das Kupferstichkabinett eine der größten grafischen Sammlungen in Deutschland beherbergt und zu den vier wichtigsten Sammlungen dieser Art auf der Welt gehört.

SH: Innovation und Evolution ist wichtig um zukunftsfähig zu sein und sich weiter zu entwickeln. Wie weit kann und möchte sich das „Museum der Zukunft“ auf neue Dinge einlassen?

JF: Das Museum der Zukunft MUSS sich auf neue Dinge einlassen, wenn es überleben möchte. Das heißt nicht unbedingt, dass man bei allem immer mitmischen muss – oft fehlen dazu ja auch einfach die Mittel, sei es Zeit, Geld oder Personal – aber man sollte neue Dinge wenigstens versuchen, ab und zu mal was wagen. Wenn es dann nicht funktioniert ist auch nicht schlimm, versucht man halt was anderes. Ich habe den Eindruck dass oft der Mangel an Mitteln aus Ausrede vorgeschoben wird, wenn in Wahrheit das wirkliche Problem Angst vor Unbekanntem oder Neuen ist.

SH: Welches war eigentlich das Museum, dass dich persönlich am meisten beeindruckt hat und wo du auch im Rentenalter noch hingehen wirst? Und vor allem: Warum? (Hier wäre ein Foto mit dir und dem Museum dazu super!)

JF: Keine Frage, das National Museum of Scotland. Unsere “Liebesaffäre” besteht schon seit ich 5 Jahre alt war. Dort findet man die ganze Welt unter einem Dach, für jedes Interesse ist etwas dabei. Die Architektur des Museums selbst ist auch beeindruckend. Aber viel wichtiger ist dass man dort immer so herzlich empfangen wird, es für alle zugänglich ist, und auch viel für Kinder unter 5 oder sogar unter 3 Jahren angeboten wird, was leider in den wenigstens Museen der Fall ist. Besonders seit ich selbst Mutter bin, ist mir das wichtig. Ein Foto von mir im Museum habe ich leider nicht, dafür aber ein kurzes Video.

SH: Wenn dir der Dschinn aus der Lampe begegnen würde, welche 3 Dinge würdest du dir persönlich als Mitarbeiter und Besucher für das „Museum der Zukunft wünschen?

JF: Als Besucher wünsche ich mir vom Dschinn erstens, dass Museen für alle zugänglich sind – sowohl preislich als auch intellektuell, d.h. nicht zu akademisch oder elitär. Und zweitens, dass auch Kinder ab 0 Jahren schon als eigenständige Besucher anerkannt und ins Programm mit einbezogen werden. Und drittens wünsche ich mir als Mitarbeiter, dass praktische Erfahrung nicht weniger Wert ist als ein Dr Titel, und das endlich erkannt wird das mit dem Fortschritt der digitalen Netzkultur auch entsprechende Stellen geschaffen werden müssen und nicht immer alles auf Praktikanten oder Volontäre abgeschoben wird.

SH: Liebe Jenni, ich danke dir für’s Machen. Dein Interview ist ein schöner Abschluss der SummerTalk-Serie (vorerst).

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