Das Leistungsschutzrecht ist beschlossen. Was bedeutet das für ein Museum?

Breaking News: Beschluss des Leistungsschutzrechtes

Seit einigen Monaten verfolge ich via Twitter den Hashtag #LSR. Gestern strömten sekündlich neue Tweets zu #LSR in meinen Newsstream, alle bezogen sich auf eine aktuelle Entscheidung des Bundesrates zum umstrittenen Leistungsschutzrechtes. Dort hätte man es stoppen können, genug Zweifler und Kritiker gab es auf verschiedenen Seiten. Gegen-Kampagnen wurden gestartet. Doch alles in allem hat dies nur wenig geholfen, nun ist das LSR verabschiedet. Es soll die Leistungen von Presseverlagen im Internet urheberrechtlich schützen. Spiegel Online hat zum Thema ein Dossier, das über die Hintergründe des Gesetzes, die ich hier en Detail gar nicht ausführen will (und kann), zusammen gestellt. Doch wie wirkt sich das verabschiedete Leistungsschutzrecht auf die tägliche PR-Arbeit im Web aus? Mich interessiert vor allem, was sich (vielleicht) für Museen und Ausstellungshäuser ändert.

1. Fall: Verlinken und Sharen von „Presseecho“

Vor und nach jeder Ausstellungseröffnung, zu Großveranstaltungen und besonderen Aktionen erfolgt in der Regel eine Berichterstattung durch die klassischen Medien. Je nach Haus, auf lokaler, regionaler und nationaler Eben oder auch fachspezifischen digitalen Zeitungen und Zeitschriften. Nach Erscheinen auf den Online-Portalen der Presseverlage wird seitens der Museen gerne über die Facebook-Seiten oder Twitter-Account auf jene Artikel per Link (oft mit Überschrift, Foto (bisher schon nicht ganz unkritisch) und Snippet (Anriss- bzw. Teasertext)) verwiesen, damit Fans und Follower sich vorab oder nachher ein Bild vom Museumsgeschehen machen können. Die Accounts der Museen werden zum Multiplikator für das jeweilige Pressemedium und können durch die Wiedergabe des Pressechos die PR-Trommel rühren. So weit so gut. Doch genau dieses Prozedere hinkt (ein wenig) mit der Verabschiedung des LSR. Zwar ist das einfache „Teilen“ eines Artikels z.B. über Facebook vom LSR nicht direkt betroffen, doch ein Museum begibt sich ein wenig aufs Glatteis damit. Denn erstens dürfen laut LSR Presseartikel nicht zu gewerblichen Zwecken genutzt werden und zweitens vor allem nicht in Form von NUR Newsaggregation. Beides trifft z.B. bei einer Fanseite eines Museums nicht 100%-ig zu, aber dennoch zu einem erhöhten Prozentsatz. Und auch auf die Länge des angeteaserten Text muss geachtet werden.

2. Fall: Newsaggregatoren wie paper.li, rebelmouse und rivva.

Härter trifft es dann doch die reinen Plattformen, auf den News zusammen getragen werden. Ohne externe Quellen funktionieren diese Präsenzen nicht, da sie zu verschiedenen Themen eigene „Zeitungen“ herausbringen. Diese basieren auf Hashtags, RSS-Feeds, externen Webquellen, Suchbegriffen und und und. Ich selber habe beispielsweise vor einiger Zeit eine tägliche „Museum und Social Web“-Zeitung über paper.li eingerichtet, die ich mittlerweile deaktiviert habe. In dieser wurde bislang einmal am Tag eine Ausgabe zum Thema „Museum und Social Web“ aus den verschiedensten Internetquellen zusammen gestellt. Dies diente nicht nur mit zur Übersicht, sondern auch als Service für meine Twitter-Follower. Die Zusammenstellung meiner Rebelmouse-Seite, die als eine Art Newsroom funktioniert, werde ich ebenfalls in den nächsten Tagen überdenken müssen, da sie sich vor allem aus den Inhalten meiner Tweets mit Links generiert. Soweit ich weiß, gibt es auch viele Museen, die beide Dienste nutzen und dort eine Präsenz angelegt haben.

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Newsaggregator „paper.li“ und meine „Museum und Social Web-Zeitung“ dort.

„In eigener Sache“: Klarheit für die Verwendung von Artikeln im Web

Mittlerweile haben einige Pressemedien Position zum Leistungsschutzrecht bezogen und klar definiert, was von ihren Inhalten wofür und auf welche Art und Weise genutzt werden darf. Die große Befürchtung, dass durch das Leistungsschutzrecht Überschriften, Links und Anrisstexte (Snippets) nicht mehr über Social Media-Präsenzen geteilt werden können, um auf entsprechende Volltexte zu verlinken, bestätigt sich bislang nicht und ist nur in Ausnahmefällen ein Problem (siehe oben). Nichtsdestotrotz ist es für jedes Museum beruhigend zu lesen, dass große Presseverlage wie Spiegel oder die WAZ (betrifft in beiden Fällen auch alle Tochter-Zeitungen) das Verlinken auf Artikel und die Verwendung von Überschriften um auf Artikel hinzuweisen, nicht verbieten, sondern es ausdrücklich gewünscht wird. Davon ausgenommen ist (selbstverständlich) die Kopie von ganzen Texten oder Textpassagen sowie Bildern ohne Rücksprache.

Noch kein Statement: Ungewissheit für die Verwendung von Artikeln im Web

Wie sieht es eigentlich mit den Fachzeitschriften/-zeitungen aus? Zum Beispiel mit „Monopol“ oder dem „Art“-Magazin im museumsrelevanten Kunstbereich? Hier gab es bisher keine eindeutigen Statements für den zukünftigen Umgang mit Webinhalten (eine Anfrage über Twitter habe ich bereits raus geschickt). Wie werden Internetnutzer mit den Inhalten von Fachzeitschriften kleinerer Verlage mit Online-Portalen umgehen können? Mittlerweile sind der „Teilen“- oder „Tweet“-Button auf vielen dieser Seiten zu finden. Fragen über Fragen.. Antworten gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht so viele. Es bleibt abzuwarten, wie die Verlagshäuser zum Umgang mit dem LSR stehen. Ob sie ähnlich verfahren wie oben genannte Pressemedien oder ob es starke Reglementierungen für die Verwendung von Webinhalten geben wird.

To Do-Liste: Was Museen ab jetzt beachten müssen

Was sind also die Konsequenzen aus dem gestrigen Beschluss des Bundesrates? Museen müssen in Zukunft vor allem schauen, wie sie im Web Inhalte von Presseerzeugern für ihre eigenen Interessen und die ihrer Fans und Follower/Besucher einsetzen. Eine übersichtliche FAQ-Überblick für die Verwendung in Social Media gibt es von Rechtsanwalt Schwenke, der sich nicht nur gut mit Recht, sondern eben auch mit Social Media auskennt. In seinem Blogpost geht er auch detaillierter und professioneller auf Einzelaspekte wie z.B. Twitterwalls, RSS-Feeds und vieles mehr ein. Unbedingte und notwendige Leseempfehlung für jeden, der Social Media nutzt!

Aus meiner Berufserfahrung in den Museen gibt es hier einmal 5 Ratschläge:

  1. Listen erstellen: Welche Pressemedien sind für mich relevant? Auf welche verlinke ich häufig via Facebook, Newsroom, Rebelmouse und alle anderen Social Media-Präsenzen? Bei welchen Pressemedien muss ich zukünftig bei Verlinkungen Vorsicht walten lassen? Wie sehen die Reglementierungen aus? Eine eigens erstellte Liste ist da goldwert.
  2. Anfragen stellen: Wenn unbedingt auf einen Artikel verlinkt werden soll, bei dem nicht klar ist, ob dies ohne weiteres möglich ist, gilt das gleiche wie beim Urheberrecht. Hier sollte speziell beim Verlag angefragt werden. Besonders bei denen, die sich für das Leistungsrecht stark gemacht haben (z.B. Axel Springer-Gruppe).
  3. Accounts prüfen: Jedes Museum sollte einen Tag einmal einen umfassenden Account-Check machen und gegebenenfalls diese bereinigen, optimieren, nachjustieren und noch einmal überlegen, wie welche Social Media-Präsenzen in Zukunft genutzt werden sollen.

Alle Links dieses Artikels durften als solche so verwendet werden. Gleiches gilt für meinen Blogpost, der gerne verlinkt, zitiert, rebloggt, getweetet,… werden darf und soll🙂 Für Textergänzungen oder Korrekturvorschägen einfach einen Kommentar hier hinterlassen. Vielen Dank.

Sebastian Hartmann

3 Kommentare

  1. Woher kommt denn die einigermaßen absurde Idee, das LSR würde die reine Verlinkung (und Titelnennung) eines Presseartikels verbieten? Das LSR ist zwar völlig behämmert, aber das kann auch das behämmerte LSR nicht verbieten.

  2. Wo ein großer Teil der Museen wirklich schnell etwas tun könnte: die eigenen Pressemitteilungen selbst so online stellen, daß sie gefahrlos verlinkt werden können.

    Das machen viele Museen nicht. Sie stellen die Pressemitteilungen nicht verlinkbar online, sondern geben sie nur an ihren Presseverteiler weiter. Wenn sie dann in der Online-Ausgabe einer Tageszeitung landen, unterliegen sie nach meinem Verständnis dem Leistungsschutzrecht.

    Vielleicht sollte man das zum Anlaß nehmen, um generell umzudenken und die Pressemitteilungen Medienmitteilungen zu nennen und in die Medien Blogs, Facebook, Twitter etc. geistig miteinzuschließen.

    Viele Grüße

    Jürgen Kunz

  3. Diese absurde Idee kursierte immer wieder durch’s Web. Eben deshalb soll hier ja noch mal dargestellt werden, dass dies eben nicht so ist. Danke für den Kommentar.

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