Museum trifft Blogger: Von misslungenen Flirts und glücklichen Ehen | Blogparade Blogger Relations

Eine Blogparade zum Thema Blogger Relations. Eigentlich ein perfekter Anlass für Unternehmen/Institutionen und Agenturen einmal Feldforschung zu betreiben. Denn hier beteiligt sich vor allem eben jene Spezies, um die es geht. Die Art publizierender Menschen, die seit einigen Jahren im Web eigene Inhalte und Meinungen publizieren und so das Netz ein wenig aufmischen. Sie bilden eine scheinbare Konkurrenz zu der herkömmlichen, traditionellen Presse – ja, das ist richtig. Es ist eben das Echo der Menschen, die eine persönliche Sicht auf die Dinge haben und durch die Produktion des so genannten User Generated Content in Kombination mit ihrem Netzwerk zu Meinungsbildern und Meinungsmachern werden. Sie werden zu Informationsverbreitern und Multiplikatoren.

Vorab für meine Blogleser-Zielgruppe: Liebe Museen, lest euch die Beiträge der Blogparade, die Mike Schnoor initiiert hat (im Aufruf-Artikel unten gibt es eine Liste), einmal durch. Es sind richtig viele gute und sehr unterschiedliche Beiträge dabei, die Aufschlüsse über Dos und Don’ts geben, Impulse setzen und Erkenntnisse und Learnings für die eigene Arbeit hervorbringen. Zum Beispiel hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Ich könnte an dieser Stelle noch viel mehr Beiträge verlinken!

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M2B: Museen 2 Blogger und anders herum. Die Basis: Ein herzliches Grundverständnis und Interesse aneinander

Hallo, ich bin eine Massenmail. Aber ich möchte, dass du mich liest und reagierst.

Was Blogger wollen… Da wünscht man sich manchmal wohl die Superhelden-Fähigkeiten von Mel Gibson aus „Was Frauen wollen“. Aber eigentlich ist es so simpel wie logisch. Wenn ein Museum möchte, dass über eine Ausstellung, ein Webangebot, eine App, eine Veranstaltung oder was auch immer auf einem Blog etwas publiziert wird, geht es in erster Linie erst einmal um den Mehrwert. Und ich rede nicht davon, dass man mal eben irgendwelche Scheine aus der Museumskasse zweckentfremdend. Nein. Es beginnt bereits mit der ersten Kontaktaufnahme. Das ist der Schlüsselmoment und wahrscheinlich mitunter die größte Herausforderung für die Anfragenden. Hier merken die meisten Blogger (hoffentlich), ob sich ein Museum überhaupt mit dem Blog und den Inhalten auseinandergesetzt hat oder ob man einer von 500 Social Web-Akteuren ist, die stumpf angefragt werden. Logischerweise möchte man als Blogger nicht mit Anfragen zugespamt werden, die von der inhaltlichen Relevanz gegen null gehen (kommt oft genug vor, auch bei mir). Warum das so wichtig ist? Weil Blogger oft mit viel Herzblut und Engagement ihren Blog betreiben und sich eine gewisse Wertschätzung ihrer Inhalte wünschen. Massen-Spam-Mails tun das nicht.

Blogger beißen nicht. Sie wollen nur ein saftiges Steak namens Mehrwert

Sofern es mit der ersten Kontaktaufnahme gut geklappt hat und ein Museum ein Interesse gegenüber dem Blogger und seiner Arbeit entgegengebracht hat – im besten Falle wurde vielleicht auch telefoniert – geht es im nächsten Schritt darum, den Blogger davon zu überzeugen, dass die eigenen Inhalte für den Blog relevant sind. Um dies zu exponieren (und darin sind Museen ja eigentlich Spitzenklasse!) sollte bei Gegeninteresse des Bloggers eben mehr rausspringen als das Dokument einer Pressemitteilung mit einem gezippten Ordner, in dem 3 Pressefotos sind.  Und hier sind wir beim Casus Knaxus. Um von vorne herein die Unwissenheit auszumerzen, was der Blogger wohl erwartet, geht es darum, dass sich die Museen überlegen, was sie ihnen bieten können. Wichtig ist – egal in welche Richtung die Maßnahme geht – dass der Blogger Wertschätzung seiner Arbeit und einen Mehrwert für sich als Blogger DIREKT erkennt. Zu einer offenen Führung in einer klasse Ausstellung einzuladen, zu der ein Blogger erst 500 km zurücklegen muss, reicht definitiv NICHT. Da beißt kein Blogger an.

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Für beide Seiten ein Muss: Das saftige Steak namens Mehrwert

Von Katalogen und Häppchen, Fahrgeld und Übernachtungsmöglichkeit

Bloggertreffen sind in deutschen Museen (Gottseidank) in Mode gekommen. Visierte Häuser haben sich eben der neuen Zielgruppe geöffnet und unterscheiden in Sachen Relevanz nicht mehr zwischen Journalisten und Blogger (das ist aber eine andere Geschichte). Doch Obacht: Es gibt eben den entscheidenen Unterschied zwischen angestellten Journalisten, die eine Pressekonferenz für ihren Arbeitgeber aufsuchen und eben den Bloggern, die die Webpräsenzen just for fun und in ihrer Freizeit betreiben. Da ist dann schlussendlich auch wieder Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Bloggern gefragt. Möchte ein Museum ein großes, deutschlandweites Bloggertreffen zu einer Ausstellung, einer Präsentation einer App, einer Museumsnacht oder was auch immer veranstalten, sollte es auch einen Blick in Richtung Budget werfen. Denn wenn aus aller Herren Länder die Blogger strömen sollen, MUSS es ein gut gestaltetes Programm, ein bißchen was auf die Gabel, ein kleines Goodie am Ende und vor allem die Übernahme von Reisekosten geben. Letzteres ist ebenso wichtig wie alle anderen Faktoren, da kein Blogger für einen Blogpost draufzahlen will. Und er hat in den meisten Fällen eben keinen Arbeitgeber, der Fahrkarte und gegebenenfalls die Übernachtung rückerstattet. Doch am Ende lohnt es sich. Für beide Seiten.

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Preview-Führung durch die Ausstellung „Cocks & Flowers“ von Robert Mapplethorpe im NRW-Forum Düsseldorf.

Relations = Beziehung: Verbindung, Kontakt zw. Einzelnen, wechselseitiges Verhältnis (aus duden.de)

Beziehungen soll man hegen und pflegen. So ein geflügeltes Wort und die sind ja bekanntlich ein Spiegel der Realität. Wer als Museum darauf aus, mal eben dieses Blogger Relations auszuprobieren um danach einen Haken hinter das Thema zu setzen, der sollte erst gar nicht erst anfangen. Es geht um den Longtail für beide Seiten, um langfristige Beziehungsgeflechte, im besten Falle Freund- und positive Feindschaften, um engen Kontakt mit relevanten Menschen im Netz. Und auf der anderen Seite geht es für die Blogger sicherlich um neu entdeckte Lieblingsorte, die es gilt, auch in Zukunft immer wieder aufzusuchen, weil der Aufenthalt dort nicht nur spannend und lehrreich ist, sondern auch Spaß macht und immer wieder tolle Inhalte für die eigene Webpräsenz bietet. DAS ist Blogger Relations, und nichts anderes.

Die Diskussion: Blogger Relations VS Influencer Relations VS Multiplikator Relations

Eins steht fest: Auf der Suche nach guten Multiplikatoren im Netz, reicht nicht nur die Suche per Google Blogs und Stichwortsuche. Viel zu defizil ist dieses Internet und Blogger Relations ist natürlich ein Buzzword um dem Kind einen greifbaren Namen zu geben. Je nach Thema sollten sich Museen zusätzlich zu ihren regulären Kontaktlisten im Netz umschauen, wer zu einem bestimmten Thema, in einer bestimmten Region und innerhalb einer bestimmten Zielgruppe „etwas zu sagen hat“. Dabei geht es nicht um die lautesten Brüllaffen, sondern viel mehr um die Menschen, die mit ihren Aktivitäten herausstechen und viele Menschen mit ihren Inhalten erreichen. Denn das sind die wahren Goldschätze, die Museen als Sprachrohr und Botschafter für die Institution gewinnen sollte.

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Tanja Neumann (www.museumstraum.de) auf dem „Bildpaten & Friends“-Abend im Museum Kunstpalast Düsseldorf.

Das beste zum Schluss: Hier noch ein paar Tipps

Jede(r) Museumsmitarbeiter/in, der/die jetzt diesen Artikel gelesen hat, sollte sich für das erste Halbjahr 2014 vornehmen, mindestens ein Bloggertreffen anzuvisieren und versuchen, langsam aber sicher Kontakt mit den Menschen im Netz aufnehmen, die sie für das Museum langfristig gewinnen wollen. Ein paar gute Ratschläge gibt Tanja Praske in ihrem Beitrag zur Blogparade Blogger Relations. Darüber gibt es auf dem Blog von Tanja Neumann ein paar schöne Beiträge zu vergangenen Bloggertreffen wie dem SchirnUp in der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt oder dem Bildpaten & Friends-Abend im Museum Kunstpalast Düsseldorf (an dem ich auch beteiligt und vor Ort war). Und wer sich das Ganze im ersten Schritt noch nicht zutraut: Einfach mal mit einem TweetUp starten. Denn auch die Twitter-Nutzer sind Multiplikatoren.

Liebe Museen, liebe Blogger: Auf gute Flirts, hervorragende erste Dates, eine lange Beziehung und glückliche Ehe!

9 Kommentare

  1. […] “Museum trifft Blogger: Von Misslungenen Flirts und glücklichen Ehen” von Sebastian…: “Je nach Thema sollten sich Museen zusätzlich zu ihren regulären Kontaktlisten im Netz umschauen, wer zu einem bestimmten Thema, in einer bestimmten Region und innerhalb einer bestimmten Zielgruppe “etwas zu sagen hat”. Dabei geht es nicht um die lautesten Brüllaffen, sondern viel mehr um die Menschen, die mit ihren Aktivitäten herausstechen und viele Menschen mit ihren Inhalten erreichen. Denn das sind die wahren Goldschätze, die Museen als Sprachrohr und Botschafter für die Institution gewinnen sollte.” […]

  2. Lecker. Steak!😉
    Danke für die Linkliebe.

    1. 😉 Fleisch!🙂
      gerne für die Link❤
      Ahoi und LG

  3. Hey Sebastian,
    gerade in Planung der zweiten Pressereise durch Mecklenburg danke ich für den interessanten Artikel🙂

    1. Hey Oli. Das ist richtig. Ist ein Nischen-Thema. Irgendwie🙂

    2. Gerne gerne🙂 Bin gespannt auf das Konzept der Pressereise.

  4. Eine neue Erkenntnis: Ich wusste nicht, dass es Museumsblogger gibt. Das Internet steckt voller Überraschungen…

  5. […] Sebastian „Museumsheld“ Hartmann schreibt: „(…) wenn aus aller Herren Länder die Blogger strömen sollen, MUSS es ein gut gestaltetes Programm, ein bißchen was auf die Gabel, ein kleines Goodie am Ende und vor allem die Übernahme von Reisekosten geben.“ Seine Begründung: Blogger haben in der Regel keinen Arbeitgeber, der ihnen die Fahrtkosten erstattet. Meine Meinung: Fahrtkosten sollte eine Kultureinrichtung übernehmen, wenn sie weiß, dass der Blogger über die Veranstaltung schreibt und relevant ist, d.h. innerhalb seines Metiers eine gewisse Reichweite hat. Und das ist das größte Problem im klassischen Kulturbereich: […]

  6. […] Museum trifft Blogger: Von misslungenen Flirts und glücklichen Ehen von Sebastian […]

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