Mittendrin in „Räume Träume“| Blogparade „Mein faszinierendes Kulturerlebnis“

Tanja Praske rief auf ihrem Blog vor einigen Wochen zur Blogparade. Da ich zur Zeit gerne Blogparaden für kleine Beiträge hier aufgreife(n möchte), durfte ich mir diese natürlich nicht durch die Lappen gehen lassen. Obgleich ich das Thema sehr schwer finde. Was machst DAS faszinierende Kulturerlebnis aus, das ja irgendwie im Fokus des Blogbeitrag stehen sollte? Und was ist in diesem Fall eigentlich genau ein Kulturerlebnis? Was gehört alles dazu? Was nicht? Musik, Kunst, Theater,… Doch ich will mich nicht lange mit Fragen aufhalten. Ich könnte etwas über das A40 Stilleben oder die Schachtzeichen im Rahmen von Ruhr2010 schreiben, einen Text über den Telekom Streetgig von Razorlight im Kalksteinwerk Oertelshoven oder von Phoenix auf dem Parkdeck der Köln Messe formulieren, meine Erinnerungen an Shakespeare’s gesammelte Werke – leicht gekürt im Bochumer Schauspielhaus wiedergeben oder mein gefühlter 10 Stunden Walk durch den Louvre. Oder ganz einfach eines der vielen anderen Museen und Ausstellungen der vergangenen Jahre herausgreifen. Das Problem ist schlichtweg, das sich die Ereignisse schlecht gegeneinander aufwiegen lassen.

Deswegen greife ich nun einfach einen Ausstellungsbesuch im Kunstmuseum Bochum raus. Eine Ausstellung, die mich sehr beeindruckte, weil sie das Museum komplett verwandelt hat. In eine Traumlandschaft, durch die man als Besucher wandeln konnte. Ab dem Eingang war man mittendrin, in einem bühnenreifen Zauberwald. Und das hat einen Grund. Die Ausstellung „Räume Träume“ von Peter Pabst. Der Künstler konstruiert Rauminstallationen mit viel Fantasie und Gefühl – und das in der Vergangenheit für Stücke von Pina Pausch, DER Ikone des Balletts. Seine Kulissen sind aber eben mehr als nur Staffagen des Hintergrundes. Es sind lebendig daherkommende Umgebungen, die Räume eben in Träume verwandeln. Sie versetzen einen an einen anderen Ort. Von jetzt auf gleich. Angereichert wurde die Ausstellung mit Fotografien von Guy Delahaye.

Und so verwandelte Peter Pabst vor 4 1/2 Jahren das Erdgeschoss des Kunstmuseums Bochum, in dem ich lange gearbeitet habe, in einen wahren Erlebnisraum für nahezu alle Sinne. Dies ist selten in einem Museum und verdient so ein zusätzliches Chapeau! Pabst inszenierte herausgelöste Bühnenbilder in die Architektur des Hauses. Und so hieß es schon beim Hereinkommen im Foyer „Obacht“! Überall waren Plastikblumen am Boden befestigt. Eine kleine Herausforderung war es schon, das Bühnenbild nicht zu zerstören und gleichzeitig in die Ausstellungsräume zu gelangen.

Hat man es erst einmal geschafft sich auf vorsichtigen Fuße in den linken Trakt des Museums zu bewegen, gerät man in den meterhohen Raum, der komplett mit Salz gefüllt war. Es hatte die Anmutung von hellem, weißen Sand, vom Boden bis zur Decke erstreckten sich dutzende, dünne Bäume, an denen man sich entlang hangeln konnte. Der Untergrund war weich und ab und zu rutschte man aufgrund der Körnung ein wenig weg. Insgesamt fühlte es sich an, als würde man aus einer Mischung von Strand und Wald wandern. Oder – entsprechend der Jahreszeit (es war Februar) wie eine Winterlandschaft, die der Künstler von draußen nach drinnen geholt hat.

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Peter Pabst, Kunstmuseum Bochum, Foto: Sebastian Hartmann

Weiter ging es im rechten Teil des Museums, der einen mit dichten Neben und dem Geruch vom frischen Gras und Grün empfang. Auf Rollrasen laufend begegnete hier einem nicht nur jede Menge Pflanzen, sondern auch ein paar Tiere wie ein ausgestopftes Reh. Eine wahrlich skurrile Situation für einen Museumsbesuch. Ein wenig unheimlich, aber dennoch faszinierend. Peter Pabst sagte dazu: „Die Natur auf der Bühne beschäftigt viele Sinne. (…) Da hat sich bei Pina und mir etwas getroffen“. Und Recht hatte er.

In dem letzten Raum spielte das Wasser eine elementare Rolle. Denn hier galt es mit einem kleinen Sprung auf eine schwimmende  Fläche, die einer Insel nahekam, im Raum zu springen. Ringsherum lagen Schwarzweiß-Fotos im Wasser und gaben viele Einblicke in die Shows von Pina Bausch. Da sich das Raumfloß stetig bewegte, erwischte man sich dabei, auf dem Untergrund zu „surfen“ und die Möglichkeit, die einem das Wasser bot, auszutesten. Zudem war es dunkel, unheimlich, es spielte dumpfe Musik aus versteckten Boxen.

Ein Museum, das irgendwie lebt. Ein Museum, das seine Räume komplett verwandeln ließ. Ein Künstler, der es schafft, erzählende Welten zu kreiieren. Ein Kulturerlebnis, das es geschafft hat, mich so zu faszinieren, dass es nun Teil der Blogparade von Tanja Praske geworden ist.

PS: Was ich bislang nicht erwähnte ist, dass ich in der Ausstellung ein erstes Date hatte. Aber das ist eine andere Geschichte😉

3 Kommentare

  1. Lieber Sebastian,

    wunderschön – herzlichen Dank für dieses „faszinierende Kulturerlebnis“!!! Stimmt, der Kulturbegriff ist sehr dehnbar, jeder definiert ihn anders und deshalb habe ich gehofft, ganz verschiedene Facetten von Kultur in der Blogparade vereinen zu können. Gespräche mit Bloggern bestätigten deine anfängliche Irritation. Für mich ist Kultur sehr viel, das kann auch ein Essen sein, der Austausch mit anderen Mentalitäten, ein Spaziergang in der Stille oder aber ganz konkrete kulturelle Veranstaltungen. Bewusst unterließ ich eine Definition, denn jeder sollte für sich definieren, was ihn faszinierte. Das Ergebnis begeistert mich, bunt ist die Parade bisher geworden. Bis zum 11.11.13 läuft sie noch.

    Ich bin froh, dass du uns ein faszinierendes Kulturerlebnis schilderst und das ist wunderschön. Gerne hätte ich diese Ausstellung „Räume Träume“ gesehen, denn meine Sinne hast du durch deine lebendige Sprache berührt – merci dafür!

    Für deine Blogparade wünsche ich dir viel, viel Erfolg – ein tolles Thema. Ich überlege mir dazu auch etwas, in dem Fall fällt es mir ähnlich wie dir bei mir schwer, doch eine Idee keimt bereits.

    Herzlich,
    Tanja

  2. […] Sebastian Hartmann: “Mittendrin in “Räume Träume” #KunstmuseumBochum #PinaPausch #PeterPabst […]

  3. […] DerMuseumsheld, Sebastian Hartmann „Mittendrin in Räume Träume“ Kategorie: Museum – Ausstellung Hier gibt es etwas auf die Sinne, vor allem visuell, aber auch […]

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