„Like it“ oder Dislike it. Können Facebook-Fans eine Ausstellung im Essl Museum (mit)kuratieren?!

Partizipation von Besuchern und Usern ist eines der meist genannten Ideen, Strategien und Ziele, wenn es um das Thema Social Media geht. Museen, die sich mit Partizipation beschäftigen, wollen ihre Kundschaft mit ins Boot holen, sie mit einbinden, zu Wort kommen lassen und im Besten fallen Content produzieren, der Museum und Besucherschaft einen Mehrwert bringt. Was einfach klingt, ist aber meist gar nicht so einfach – egal ob offline oder online. Das Problem liegt bei den Grenzen, die entscheiden, zu welchem Maß mitbestimmt oder mitentschieden werden kann von Museumsexternen. Wie stark möchte man sich als Museum „reinreden lassen“?! Wie gut lassen sich Inhalte von außen in ein Ausstellungskonzept integrieren? So schwer ist es eigentlich nicht. Vorausgesetzt man macht es sich als Museum nicht allzu schwer und traut sich einfach mal.

Wenn das Museum externe bestimmen lässt…

Ich mag die Beispiele von Partizipation, die ich bisher im Bereich Museum und Social Media wahrgenommen habe. Leider sind sie noch zu selten vorzufinden. Viel mehr sollten es werden, denn wer mitbestimmt, was zu sehen ist, wird eher vorbeikommen und sich davon überzeugen, dass seine (Mit)Entscheidung auch umgesetzt wurde. Egal ob er nun ein Objekt, einen Text, ein Foto oder einfach nur eben eine Entscheidung oder Vorschlag beigesteuert hat. Nun schreibt sich das Essl Museum in Wien für das Ausstellungsprojekt „Like it“ Partizipation2.0 ganz groß auf die Fahne. Das finde ich erst einmal gut, doch wie genau soll es funktionieren?

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„Like it“ – ein Ausstellungsprojekt mit Facebook-Fans

Ausgangsfrage: „Wie wird aus den Kunstwerken mit den meisten Likes eine Ausstellung?“

Mehrere hundert Museen und Ausstellungshäuser im deutschsprachigen Raum nutzen mittlerweile das Netzwerk Facebook. Die Communities dort wachsen zunehmend, immer mehr Kulturinteressierte like die Fanseiten ihrer Lieblings- und Stammmuseen. Sie möchten informiert sein, interagieren, kommentieren, Fotos und Videos sehen,… und sie möchten durchaus mitmachen, sofern es einen gegebenen Anlass gibt und sie dazu motiviert werden. Dies sieht das Essl Museum nun als Chance für Feldversuch: 100 Werke der Sammlung sollen von den Facebook-Fans via „Like“-Button aus über 150 Werken auserwählt werden, um im Oktober in eine Ausstellung zu wandern. Darüber hinaus dürfen ausgewählte Facebook-Fans im Museum auch in der Praxis kuratorisch tätig werden. Das gab es so in der Form noch nicht und begeisterte die aktiven User auf der Fanpage von Beginn an. Auf der Website des Museums (die übrigens vor kurzem einem Relaunch unterzogen wurde) gibt es weitere Details zum Ablauf und dem Hintergrund der Aktion. Dazu gehört auch die Namen der Künstler/innen, aus denen ausgewählt wird.

Einen Haken oder eine Hürde gibt es immer. Auch hier.

Aber wo hakt das partizipatorisch-offene Projekt des Museums? Lediglich daran, dass für das Kuratorium aus Facebook-Fans eine regionale Anwesenheit vorausgesetzt wird. Wer mitbestimmen möchte, wie die Ausstellung genau aussehen soll, „muss“ an einem Workshop vor Ort teilnehmen, um mit dem hauptverantwortlichen Kurator die 100-Bilder Schau konzeptionell umzusetzen. Dies schließt wahrscheinlich einige der über 4600 Fans aus, selektiert aber diejenigen, die es dann doch Ernst mit der Beteiligung meinen und gerne ambitioniert mitmischen möchten. Wir haben also ein zweistufiges Modell: Aus über 150 Werken können alle Facebook-User liken, eine Auswahl (wahrscheinlich) weniger werden ins eigentlich Kuratorium ausgewählt. Bewerben kann man sich ab dem 12.09.213. Ob es auch tiefergehende Meinungen, Ideen und Vorschläge von Fans, die nicht vor Ort sein können, mit in die Werkschau eingearbeitet werden können, bleibt abzuwarten.

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Die Aktion ruft auf der Fanpage des Museums positive Resonanz hervor

Kann man auf die Expertise von Facebook-Fans vertrauen?!

Ich bin sehr gespannt auf Verlauf und Resultat der Aktion. Im Monopol-Interview bezeichnet der Kurator der Ausstellung die Expertise eines Facebook-Fans als „Wagnis“, ich nenne es ein Stück Zukunft der musealen Programmgestaltung und einen Schritt in die Richtung Öffnung der Institution für eine breitere, jüngere Zielgruppe. Das Interview gibt augenscheinlich Bedenken gegenüber der Aktion preis – seitens des Kurators mit seinen Antworten und seitens des Redakteurs mit seinen Fragen. Dem „Medium“ Facebook wird insgesamt noch nicht so richtig über den Weg getraut bzw. auch nicht den Usern, die den „Like“-Button betätigt haben um Fan des Museums auf Facebook zu werden, und ihren Kompetenzen für die Auswahl der Werke. Aber man sollte sich vor Augen halten: Es sind wahrscheinlich eben dann doch die oben bereits genannten Stammbesucher oder Wiederholungstäter, die zumindest einmal das Essl Museum und die Kunst darin von innen gesehen haben.

Egal was wird, von mir erhält die Aktion schon mal ein „Gefällt mir“.

One comment

  1. […] die Überschrift bin ich aber eigentlich durch die Idee des Museums gekommen, eine Ausstellung mit Hilfe ihrer Facebookfans zu gestalten. Ein spannender Ansatz und deshalb freue ich mich natürlich besonders, dass das stARTcamp Wien […]

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