„Museum der Zukunft“: SummerTalk mit Wera Wecker, Freilichtmuseum am Kiekeberg Hamburg

Vor ein paar Tagen „reanimierte“ ich die SummerTalk-Reise zum „Museum der Zukunft“ hier auf den Blog. Ich freue mich über einen weiteren Interviewgast aus dem hohen Norden: Wera Wecker. Auch ihr stellte ich meine 10 Fragen, auf die ich gerne 10 subjektiv-objektive Antworten haben möchte. Los geht’s.

SH: Liebe Wera, erst einmal vielen Dank für’s Mitmachen bei meiner Blogreiehe. Es geht mir auf den Blog ja vor allem auch um die digitale Seite der Museumskommunikation. Twitter gehört auch zum Beispiel dazu. Da Hashtags heutzutage es längst in die breite Öffentlichkeit geschafft haben, möchte ich einmal, dass du dich nach meinen 3 Intro-Hashtags #Museum #Zukunft und #Besucher einmal mit 3 Hashtags kurz vorstellst.

WW: #Museumsjunkie #Leseratte #Reiselustig

SH: Und schon geht’s weiter. Jetzt bitte drei Hashtags zum Museum, in dem du arbeitest

Frage 3 - Wenn die Kollegen keine Lust mehr aufs Rumsuhlen habe oder es ihnen zu warm wird geht es in den Stall

WW: #HistorischeGebäude #Tiere #Natur

SH: Genug der Hashtags😉 In einer Welt – egal ob heute oder morgen – gibt es immer und überall Konkurrenz. Auch bei den Museen. Was glaubst du, ist das besondere an deinem Museum? Warum kommen die Menschen und kaufen eine Eintrittskarte? Sind es vielleicht die von dir genannten drei Hashtags?

WW: Museen haben die Möglichkeit „Altes“ zu zeigen, aber sie können auch zukunftsweisend sein. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg zeigt die Geschichte der Winsener Marsch und der nördlichen Lüneburger Heide. Da das Freilichtmuseum ein sehr lebendiges Museum ist, gehören auch Tiere dazu: alte Nutztierrassen wie das Bunte Bentheimer Schwein, Ramelsloher Blaubeine oder Bentheimer Landschafe. Seit einem Jahr steht bereits das Agrarium – nicht zu verwechseln mit einem Aquarium. Spaß beiseite. Es setzt sich mit den Themen Landwirtschaft und Ernährung auseinander – sehr aktuelle Themen, wie ich finde. Folglich passen auch die drei genannten Hashtags der vorherigen Frage als Antwort auf diese Frage. 

SH: Habe ich mir fast gedacht😉 Menschen, die im Museum arbeiten, tun dies ja im Allgemeinen mit großer Motivation. Oft steckt sehr viel Leidenschaft und Freude an der Materie da drin. Gab oder gibt es für dich im Museum einen Lieblingsobjekt oder Lieblingsort, zu dem du jeden Besucher hinschleifen würdest?

WW: Mein Lieblingsort im Museum ist der Garten um den Pringens Hof. Dieser liebevoll gestaltete Garten gehört zu den ersten im Museum. Ich mag die geometrischen Formen dieser kleinen Grünanlage. Im Sommer, wenn alles grün ist und die Pflanzen in voller Blüte stehen, ist es dort einfach herrlich! Jetzt fragst Du Dich bestimmt: Und was ist im Winter? – Mein erster Besuch am Kiekeberg fand im Winter statt als Schnee lag. Die alten Häuser waren in Schnee gehüllt, mir bot sich eine einzigartige Winterlandschaft. Ich würde Dich also zum gleichen Ort hinschleifen und danach im Rösterei-Café einen heißen Kaffee trinken. Richtig lecker, denn Bohnen werden direkt im Café geröstet, man kann dabei zusehen. Wie Du merkst, ist es immer spannend und gibt nicht „den“ Lieblingsort, weil es überall etwas zu entdecken gibt, das finde ich spannend! 

Weras Lieblingsort im Freilichtmuseum am Kiekeberg - Der Garten des Pringes Hof

Wera am Freilichtmuseum am Kiekeberg. Foto: Michael Schmidt

Im Herbst ist es total schön, wenn die Nebelschwaden über die Häuser ziehen, langsam die Sonne durchkommt. Im Winter ist alles in Watte gepackt, eine verträumte Winterlandschaft. Mein erster Besuch am Kiekeberg fand im Winter statt. Der Schnee knirschte unter meinen Schuhen, zum Glück gibt es ein gutes Rösterei-Café, wo man beim Rösten zusehen kann. Von daher ist die Jahreszeit eigentlich egal! 

Herrlicher Duft im Garten am Pringens Hof

Wera am Freilichtmuseum am Kiekeberg. Foto: Michael Schmidt

SH: Ich muss unbedingt mal vorbeikommen, soviel steht fest. Nun zu einem anderen Thema: Heutzutage kommt auch ein Museum nicht mehr um das Thema digitale Netzkultur herum. Viel zu groß ist diese Internet geworden. Oder mal positiv formuliert: Museen können für sich und die Besucher eine Homepage, ein Blog, Facebook, Apps und vieles mehr optimal nutzen. Welchen Stellenwert hat dies alles aktuell und in Zukunft für das Freilichtmuseum am Kiekeberg und für die Institution „Museum“ überhaupt?

WW: Die digitale Netzkultur wird vermutlich einen immer größeren Stellenwert bekommen. Wenn ich privat einen Urlaub plane und mir Museen herauspicke, welche ich mir ansehen möchte, informiere ich mich in erster Linie über deren Website: Eintrittspreise, Öffnungszeiten, was beinhaltet die Sammlung des Museums, gibt es zufällig eine Sonderausstellung etc. 

Auf der Webseite des Freilichtmuseums sind auf der Startseite die Veranstaltungshinweise des Museums. So ist der Besucher darüber informiert, ob an dem geplanten Besuchstag im Freilichtmuseum zum Beispiel ein Aktionstag, die Gelebte Geschichte 1804 oder ein Mitmach-Programm stattfindet.

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Website des Freilichtmuseums am Kiekeberg

Das Freilichtmuseum am Kiekeberg nutzt in erster Linie im Bereich Social Media den Facebook-Auftritt. Bei diesem Medium können wir komplexere Inhalte vermitteln und viele Fotos posten. Der Vorteil bei einem Freilichtmuseum ist, dass wir nicht das große Problem mit den Bildrechten haben. Besucher dürfen bei uns gern fotografieren und ihre Bilder in verschiedenen Portalen hochladen. 

SH: Was glaubst du denn, wie sich das Internet und der ganzen „Rattenschwanz“ auf die Besucherzahlen, die ja für Museen sehr wichtig sind, in Zukunft auswirken wird? Böse Stimmen behaupten ja, dass die Menschen fern bleiben, weil alles bald im Internet zu sehen sein wird.

WW: Fotos ersetzen keinen realen Besuch. Ein Museum bietet den Besuchern auch so etwas wie eine Atmosphäre, die es zu Hause am Computer nicht gibt. Außerdem ist es immer wieder beeindruckend, wenn man vor einem „Original“ steht. Fotos geben zum Beispiel nicht die reale Wirkung von Objekten wieder. Der Duft eines historischen Gebäudes im Freilichtmuseum ist einzigartig, ebenso die Dimensionen der Ausstellungsgebäude. Am Kiekeberg stehen zusätzlich die Aktionstage im Mittelpunkt, dazu gehören Pflanzenmärkte, Thementage zu Lebensmitteln oder ein umfangreiches Angebot für Kinder in den Ferien. All dies kann man nicht über das Internet erleben. 

SH: Spielen wir noch einmal ein wenig Zeitmaschine. Was werden in 10 Jahren die Highlights im Freilichtmuseum am Kiekeberg sein?

WW: Ich hoffe, dass in 10 Jahren weiterhin die historischen Gebäude der Mittelpunkt des Museums sein werden und vielleicht wird es dann mehr Häuser geben. Bislang spiegeln die Gebäude das Leben aus dem 17. Jahrhundert bis zur Nachkriegszeit wider. Spannend wären neuere Gebäude, die bis an die Gegenwart reichen. Für Museen ist die Weiterentwicklung immens wichtig. 

SH: Da sprichst du ein wichtiges Thema an: Innovation und Evolution sind elementar wichtig um zukunftsfähig zu sein und sich eben weiter zu entwickeln. Wie weit kann und möchte sich das „Museum der Zukunft“ auf neue Dinge einlassen?

WW: Das Museum der Zukunft muss sich auf neue Dinge einlassen. „Stillstand ist Rückstand“, wie es so schön heißt, dies trifft auch auf die Kulturlandschaft zu. Erst im letzten Jahr hat das Freilichtmuseum das Agrarium eröffnet, ein großes Ausstellungsgebäude, welches die Themen Ernährung und Landwirtschaft aufarbeitet. Somit gewinnt das Museum deutlich an Attraktivität, für einen Besuch im Winter. Ein Freilichtmuseum, das das ganze Jahr geöffnet hat, kannte ich bislang noch nicht. Ich finde es großartig! 

Inhaltlich ist die Darstellung der Jahre nach dem 2. Weltkrieg ein spannendes Thema für die Volkskunde. Ich bin gespannt, welche Wege das Freilichtmuseum gehen wird. 

SH: Welches war eigentlich das Museum, dass dich persönlich am meisten beeindruckt hat und wo du auch im Rentenalter noch hingehen wirst? Und vor allem: Warum?

WW: Mich beeindrucken die Museen, zu denen ich eine persönliche Verbindung aufbauen konnte. Bei denen kann ich beobachten, wie sie sich weiterentwickeln und sich um ihre Besucher bemühen. Es sind die Menschen im Museum, die mich dazu bringen, ob ich es erneut besuche oder nicht. Das fängt beim Empfang an, geht über Führungen an denen ich teilnehme und endet bei den Menschen, die ich dort kennenlerne und von denen ich etwas lernen kann. 

Aktuell gehört dazu natürlich für mich das Freilichtmuseum am Kiekeberg. Ich lerne jeden Tag neue Sachen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: Kunst, Garten, Ernährung, Landwirtschaft, Tiere oder regionale Geschichte. Es ist unglaublich vielseitig, damit habe ich zu Beginn ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Aber es fasziniert mich! 

Eine persönliche Beziehung konnte ich auch zu den Kunstsammlungen Böttcherstraße aufbauen, dort ist einfach alles Kunst. Ein kleines aber wunderbares Museum. Für alle die es noch nicht wussten, zu den Kunstsammlungen Böttcherstraße gehören das Paula Modersohn-Becker Museum und das Roselius Haus. Die Gebäude sind auch Teil der einzigartigen Böttcherstraße in Bremen.

Das Klimahaus Bremerhaven hat mich mit einer Reise um die Welt fasziniert. Während des Rundganges nehmen Besucher neue Perspektiven ein und wahr. Ich war bereits vor dem Eröffnungstermin dort tätig und es hat mich umgehauen! Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Art von Einrichtung weiterentwickeln wird. 

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LWL Museum für Kunst und Kultur Münster, Foto: Facebook-Seite des Museums

Meine bislang innigste Verbindung bin ich wohl mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster eingegangen. Über 10 Jahre war ich dort tätig und habe sowohl die Sammlung als auch die Kollegen in mein Herz geschlossen. Wie gesagt, ein Museum wird durch die Menschen lebendig, von denen man dort etwas lernen kann. Mit dem Neubau gibt es auch dort wieder viel Neues zu entdecken. Ich bin auf die Neupräsentation der Sammlung (2014) unglaublich gespannt – bei der Farbauswahl für die Räume durfte ich anwesend sein… Ich liebe jetzt schon die „krassen“ Farben der Räume.

Ich bin mir sicher, dass ich diese Häuser allesamt noch sehr oft besuchen werde. 

SH: Eine lange Liste von guten, empfehlenswerten Häusern! Abschließend: Wenn dir der Dschinn aus der Lampe begegnen würde, welche 3 Dinge würdest du dir persönlich als Mitarbeiter und Besucher für das „Museum der Zukunft“ wünschen?

WW: Als Mitarbeiter eines Museums kann ich mich nur wiederholen: Ich wünsche mir, dass sich Museen weiterentwickeln. Sowohl eine Weiterentwicklung in den Sammlungen als auch bei den Sonderausstellungen. Ich lasse mich dabei immer gern überraschen und besuche auch gern andere Ausstellungen. 

Als Besucher von Museen wünsche ich mir, dass man nach Herzenslust fotografieren kann. Im Freilichtmuseum gibt es dieses Problem zum Glück nicht! Dort kann ich Bilder twittern oder bei Facebook hochladen so viele wie ich will. In Kunstmuseen ist das Thema Bildrechte ein Dauerbrenner, ich kann die Problematik vollkommen verstehen, aber manchmal ist es einfach schade, dass man nicht alles fotografieren darf. 

SH: Liebe Wera, ich danke dir für deine Gedanke, Ideen, Perpektiven und dass du sie in Antworten auf meine Fragen gepackt hast🙂

Foto by pure-shots.deWera Wecker (31) studierte in Münster Deutsch und Pädagogik auf Lehramt Sek I/II. Parallel zu ihrem Studium fing sie 2001 im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster an zu jobben und entdeckte auf diese Art, ihre Leidenschaft zu Museen. Seit 2011 setzt sie sich intensiv mit dem Bereich Social Media in Kultureinrichtungen auseinander. Neben ihrer Tätigkeit in Münster, sammelte sie weitere Erfahrungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement im Klimahaus Bremerhaven, im Literaturhaus Hamburg, in den Kunstsammlungen Böttcherstraße und an der Universität Bremen. Seit März 2013 ist sie Volontärin im Freilichtmuseum am Kiekeberg im Bereich PR+Marketing. 

One comment

  1. Hat dies auf kultur und kunst rebloggt.

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