„Museum der Zukunft“: SummerTalk mit Manuela Werner, Arche Nebra

Der Sommer ist noch nicht vorbei! Nach einer kleineren Pause geht es nun weiter mit den SummerTalks hier auf dem Blog, bei denen ich mit Museumsmitarbeitern ein wenig über die Ideen und Vorstellungen zum „Museum der Zukunft“ sprechen möchte. Natürlich bleibt das Thema „Museum und Social Web“ davon nicht unbetastet😉 In der neuesten Ausgabe stelle ich meine Fragen an Manuela Werner von der Arche Nebra. Der Ort, wo man die Himmelsscheibe im wahrsten Sinne des Wortes erleben kann.

SH: Liebe Frau Werner, ich freue mich sehr, dass Sie an meiner kleinen „Summer-Talk“-Interviewreihe zum „Museum der Zukunft“ mitmachen. Da das Ganze ja ein Beitrag für einen Blog rund um Museum und Social Media erscheint und da Hashtags heutzutage Gang und Gebe sind, möchte ich gerne mit eben solchen beginnen. Genauer, wie auch bei meinen anderen Gesprächspartnern: Mit einem dreifachen Hashtag-Hattrick. Ich habe zuvor auch immer mit den Hashtags den Reigen eröffnet, die uns gleich ein wenig begleiten werden: #Besucher #Zukunft #Museum. Nun sind Sie dran. Beschreiben Sie sich selbst einmal kurz mit drei Hashtags.

MW: #Himmelsscheibenfan, #Naturfreund, #Musikfreak

SH: Sie sind ja mit Ihrem Museum auch auf Twitter. Von daher nennen Sie mir doch einmal drei Hashtags, die ihr Museum beschreiben. (Hier wäre ein Foto zu einem Hashtag super!)

MW: #Archäoastronomie, #Fundort, #Erlebnisort

Web_Himmelsauge_Stedtler

Arche_abends_Bitter

SH: In einer Welt – egal ob heute oder morgen – gibt es immer und überall Konkurrenz. Auch bei den Museen. Was glauben Sie ist es, dass Menschen immer wieder zur Arche Nebra kommen lässt? Was ist das Besondere an dem Ausstellungsort? Sind es vielleicht die von Ihnen genannten drei Hashtags?

MW: Eigentlich müsste ich da fast noch einen vierten Hashtag einführen: #Planetarium. Denn unsere Planetariumsshow zur astronomischen Deutung der Himmelsscheibe von Nebra ist wohl das, was unsere „Wiederholungsbesucher“ immer wieder einmal in die Arche Nebra führt. Dabei ist es immer dieselbe Show, aber sie ist eben einfach toll! Gerade die Besucher aus der näheren Umgebung zeigen die Arche Nebra gern ihren privaten Gästen – kommen also immer wieder zu uns.

Zunächst einmal, muss ich aber zugeben, sind wir ja eigentlich gar kein Museum. Wir sind ein Besucherzentrum zur touristischen Erschließung eines archäologischen Fundortes: Wir machen den Fundort der Himmelsscheibe von Nebra erlebbar – daher auch der Slogan: „Die Himmelsscheibe erleben“. Wir verfügen jedoch über keine Sammlung und wir forschen auch nicht. Gleichwohl werden wir von den Besuchern natürlich als Museum wahrgenommen, wir vermitteln Wissen rund um die Geschichte der Himmelsscheibe von Nebra und zeigen zusätzlich jedes Jahr eine Sonderausstellung. Letztere sind ein weiterer Grund für Besucher, die Arche Nebra erneut zu besuchen. 

Web_Planetarium_Scheibe_Liptak

Vor allem ist es aber wohl die faszinierende Geschichte der Himmelsscheibe von Nebra selbst, die immer wieder Menschen – und zwar auch von weiter her – in die Arche Nebra kommen lässt.

SH: Das liegt natürlich nah. Andere Frage: Menschen, die im Museum arbeiten, tun dies ja mit viel Leidenschaft und Freude an der Materie. Gab oder gibt es für Sie im Museum einen Lieblingsobjekt oder Lieblingsort, den Sie jeden Besucher raten würden aufzusuchen?

Web_1500_Arche Nebra185

MW: Die meisten Besucher beginnen ihre Erkundung des Himmelsscheibenfundortes natürlich in der Arche Nebra. Dort „spielt die Musik“. Aber mein ganz persönlicher Lieblingsort ist der Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe. Dort befindet man sich in der Natur, inmitten des Naturparks „Saale-Unstrut-Triasland“ und ist fernab vom Trubel des Besucherzentrums. Keine Audiostationen, keine Touchscreens – sondern eine ganz ruhige Landschaftsgestaltung auf dem Plateau des Mittelberges. Von dem 30 m hohen Turm, der wie ein überdimensionaler Sonnenuhrzeiger gestaltet ist, hat man einen fantastischen Ausblick, bei klarem Wetter bis zum Harz. Und wenn ich Führungen mache, ist es immer ein toller Aha-Effekt, wenn die Teilnehmer sich in die bronzezeitlichen Himmelsbeobachter hineinversetzen und die astronomischen Bezüge der Himmelsscheibe von Nebra, die sie in der Arche Nebra kennen gelernt haben, ganz real im Gelände nachvollziehen können. 

SH: Heutzutage kommt auch ein Museum nicht mehr um das Thema digitale Netzkultur herum. Viel zu groß ist dieses Internet geworden. Oder mal positiv formuliert: Museen können für sich und die Besucher eine Homepage, ein Blog, Facebook, Apps und vieles mehr optimal nutzen. Welchen Stellenwert hat dies alles aktuell und in Zukunft für die Arche Nebra und für die Institution „Museum“ überhaupt?

MW: Ich habe auch den Eindruck, dass die genannten Dinge immer wichtiger werden – und zwar umso mehr, je mehr sie auch von den Besuchern genutzt werden. Tolle Homepages, Apps, Social Media sollen ja kein Selbstzweck sein, sondern auch einen Mehrwert für den Besucher haben. Die Arche Nebra steht dabei noch am Anfang. Wir haben zum Bespiel in diesem Jahr einen kompletten Relaunch unserer Website durchgeführt und haben dabei nun auch Interaktionsmöglichkeiten zu Facebook, Twitter und Google+ geschaffen. Damit sind wir schon weiter als manch anderes Museum, gleichwohl hinken wir in manchem auch den aktuellen Entwicklungen noch hinterher. Allerdings muss ich auch sagen, dass für ein kleines Team wie unseres allein die regelmäßige Pflege unserer Präsenzen in den sozialen Netzwerken schon eine tägliche Herausforderung ist – von der Erfolgskontrolle und der Entwicklung neuer Strategien ganz zu schweigen.

Web_Arche Nebra_Kinder062_bearb

SH: Was glauben Sie, wie sich das Internet und der ganze „Rattenschwanz“ auf die Besucherzahlen, die ja für Museen sehr wichtig sind, in Zukunft auswirken wird? Böse Stimmen behaupten ja, dass die Menschen fern bleiben, weil alles bald im Internet zu sehen sein wird.

MW: Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich sehe eher die positiven Effekte: Werbemöglichkeiten, Vernetzung, Communities, die „mein“ Museum mögen und unterstützen etc. Und je besser der Auftritt im Internet und Social Web gemacht ist, desto größer sind doch die Chancen, dass die User und Fans das Museum auch wirklich besuchen – aus Interesse, Neugier oder einfach, weil es Spaß macht.

SH: Machen wir doch einmal eine kleine gedankliche Zeitreise. Was werden in 10 Jahren die Highlights in Ihrem Museum sein?

MW: Das kann ich noch gar nicht beantworten. Das Besucherzentrum existiert ja überhaupt erst seit sechs Jahren und die Dauerpräsentation muss insgesamt fünfzehn Jahre in der jetzigen Form bestehen bleiben – das hat mit den Fördermitteln zu tun. Gleichwohl denken wir natürlich bereits jetzt darüber nach, wie das Besucherzentrum am Fundort der Himmelsscheibe in der Zeit danach aussehen könnte. 

SH: Innovation und Evolution ist wichtig, um zukunftsfähig zu bleiben und sich weiter zu entwickeln. Wie weit kann und möchte sich das „Museum der Zukunft“ auf neue Dinge einlassen?

MW: Ich bin ein absoluter „Zukunfts-Fanatiker“. Das liegt vielleicht daran, dass ich öfter auch mit der „Heimatmuseums-Fraktion“ zu tun habe, die ja immer eher bewahrend – sicherlich mit viel Liebe zum Detail, aber eben doch oft auch unkritisch – an historische Zusammenhänge herangeht. Das „Museum der Zukunft“ sollte sich davon deutlich absetzen. Bewahren ist gut, aber in der Darstellung und Vermittlung können meiner Meinung gar nicht genug neue Wege beschritten werden. Sicherlich muss man prüfen, was für das eigene Haus sinnvoll ist, aber grundsätzlich sollte das „Museum der Zukunft“ unbedingt aufgeschlossen sein für neue Ideen, Technologien etc. – auch wenn manche Besucher dann manchmal große Augen machen, wenn die neue Museums-App vorgestellt oder QR-Codes im Haus angebracht werden…

SH: Welches war eigentlich das Museum, dass Sie persönlich am meisten beeindruckt hat und wo Sie immer wieder ohne Zögern hingehen würden? Und vor allem: Warum?

500_IMG_9064

MW: Das ist natürlich eine schwierige Frage, aber wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir dazu das Museum für Sepulchralkultur in Kassel ein. Zwar bin ich da vielleicht etwas befangen, weil Kassel auch meine Heimatstadt ist, aber dieses Museum ist einfach ganz besonders. Es ist in seiner Art einzigartig und behandelt mit dem Tod ein so universelles Thema, dass man dort tatsächlich immer wieder hingehen kann. Es gibt sicherlich deutlich innovativere Museen, was Web2.0-Aktivitäten u.ä. angeht, aber es beeindruckt mich, wie das Museum v.a. mit seinen Sonderausstellungen dazu anregt, sich mit einem im Grunde unangenehmen Thema auseinanderzusetzen und mit dem Aufgreifen des Todes zugleich ein Museum des Lebens wird. 

SH: Wenn Ihnen der Dschinn aus der Lampe drei Wünsche erfüllen würde… Was würden Sie sich persönlich als Mitarbeiter und Besucher für das „Museum der Zukunft“ wünschen?

MW: Als Mitarbeiter wünsche ich mir

1. dass es uns auch in Zukunft möglich sein wird, spannende Ausstellungen auf hohem Niveau anzubieten.

2. dass sich irgendwann politisch durchsetzt, dass Museen Bildungseinrichtungen sind, deren Besuch möglichst kostenfrei möglich sein sollte und dass diese Bildungseinrichtungen entsprechend finanziert werden.

3. wenn aus 2. nichts wird: dass Museumsbesucher lernen, dass es nicht-öffentlich finanzierte Betriebsformen auch im Kulturbereich gibt und akzeptieren, dass sie unter diesen Umständen einen Beitrag zur Finanzierung des Kultur- und Bildungsangebots leisten müssen, ohne dass der Zwang, Gewinn erwirtschaften zu müssen, den Betreibern als „Abzocke“ ausgelegt wird. (Die Arche Nebra ist eine GmbH, die sich bislang ohne öffentliche Mittel, ausschließlich aus Einnahmen finanziert hat.)

Als Besucher wünsche ich mir

1. interessante Ausstellungen natürlich.

2. inhaltlich und grafisch gut aufbereitete Vorabinformationsmöglichkeiten (Web, Flyer etc.) und freundlichen, hilfsbereiten Besucherservice vor Ort.

3. das Ende von zu langen und mit zu kleiner Schrift versehenen Objekttexten!

SH: Liebe Frau Werner, ich danke Ihnen für die ausführlichen Antworten und den Einblick in Ihre Vorstellungen für das Museum der Zukunft. Ich hoffe, alsbald mal die Arche Nebra besuchen zu können!

Manuela Werner, geboren in Kassel, Studium in Münster und Würzburg (Geschichte, Volkskunde/Europäische Ethnologie, Ur- und Frühgeschichte), Volontärin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum Münster, Mitarbeiterin bei Dr. Ulrich Hermanns – Ausstellung Medien Transfer (Münster), seit 2007 PR und Marketing im Besucherzentrum Arche Nebra.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: