Heimat tief im Westen | Blogparade: Was ist eure Heimat?

Die Heimat und der Ort, der einem das Gefühl von Heimat vermittelt, ist ein wunderbares Thema für eine Blogparade, die jüngst von Katja Wenk initiiert wurde. Da ich mit Hamburg nun seit 4 Monaten eine neue „Heimat“ mein eigen nenne und in den letzten Jahren einige Male die Stadt gewechselt habe, möchte ich mich gerne den zahlreichen Blogbeiträgen (mittlerweile über 60!) anschließen und auch einen kleinen Beitrag zum Thema veröffentlichen.

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Welcome-Besucherzähler in meiner alten Heimat-Stadt

What The Fuck Is Heimat?! Also ein Schritt zurück: Was sagt eigentlich Wikipedia zu „Heimat“?

„Der Begriff Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.“

Wenn dem so ist, geht es in meinem Fall um Bochum. Denn der Zeitraum, der auf Wikipedia beschrieben wird, würde ich auf die ersten 25 Lebensjahre festlegen wollen. Es ist die Zeit des Aufwachsens, Kennenlernens, Erfahrungenmachens. Und unweigerlich ist Bochum da bei mir ein zentraler Ort – obgleich in einem Dorf 20 km weiter, in Sprockhövel, aufgewachsen bin. Immer wieder bin ich in den letzten 30 Jahren dort gewesen, viele Kindheitserinnerungen habe ich noch heute im Kopf, in der Teeniezeit zog es uns in die Ruhrstadt und spätestens mit dem Beginn meines Studiums war ich… Bochumer.

Ein Einkauf im Spielzeugladen Röl, ein Tanz der Affen in der Bimbobox im Kortumhaus, der Besuch beim arbeitendem Vater in der WAZ-Redaktion, Klamottenshopping bei Williküne oder im Ruhr Park mit dem gelben großen Zelt in der Mitte, ein Sonntagsausflug zu den Flamingos im Tierpark, das Fußballspiel VFL Bochum gegen Fortuna Düsseldorf,… Es ist mehr als nur eine schöne Erinnerung, die ich an die 1980er Jahre an Bochum habe. Für mich war es als Kind immer wieder ein Highlight, dort hinzufahren. Und noch heute gehe ich gerne in den leicht versteckten McDonalds auf der Bongardstraße, auf den ich mich schon als Kind immer gefreut hatte.

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Flamingos am Eingang des Bochumer Tierparks.

In den 1990er startete meine „berufliche“ Karriere in Bochum. Mein erster Job dort war Ordner am legendären Rathausplatz-Flohmarkt. Ich wies die Autos um 5 Uhr morgens quer über den Rathausplatz und kassierte irgendwann das Standgeld der Händler. Ein toller Job, da ich selbst Flohmarktfan war und bin und dort zum Beispiel so einige (nein, es waren sehr viele) Actionfiguren für meine Sammlung in Herrgottsfrühe ergattern konnte. Im Laufe der Zeit verbrachte ich vor meinem Samstagseinsatz den Abend zuvor in der Zeche Bochum. Einer Disko, die zum späteren Zeitpunkt einer meiner Lieblingsorte wurde und wo sogar meine Abi-Party stattfand.

Das Bochumer Bratwursthaus im Bermuda-Dreieck. Mit der Original Döninghaus!

Das Bochumer Bratwursthaus im Bermuda-Dreieck. Mit der Original Döninghaus!

Die 2000er war die Zeit, in der Bochum am intensivsten erlebt habe. Mit dem Studium an der Betonschönheit RUB lernte ich viele tolle Menschen kennen – an der Universität und beim Leben und Arbeiten in meiner neuen Heimat. Meine erste Wohnung nahe der Zeche Bochum war perfekt. Den ersten Studentenjob ergatterte ich durch meine Flohmarkt-Connection und es trieb mich so ins Café Ferdinand, wo ich einige Zeit später auch meine erste langjährige Freundin beim Bardienst kennen lernte. Nach dem Kellner kam in Bochum die Bestellannahme beim Homeshoppingsender QVC – eine Erfahrung, die man mal gemacht haben soll. Doch schnell ergab sich ein Praktikum mit anschließender freier Mitarbeit im Museum Bochum. Der letzte Job in Bochum, der mich zugleich in die Museumsbranche katapultierte. Viele Jahre waren es – mit Party im Bermuda-Dreieck und bei Freunden daheim, Schlemmen mit Currywurst Pommes, Tanzen im Riff an Heiligabend und in der Zeche am Donnerstag, Wohnen und Leben am Opelwerk, eine gute Zeit mit liebenswerten und bis heute vertrauten Menschen,… Es würde bei Leibe die Länge des Blogbeitrags sprengen, hier weiter zu schreiben.

Doch eins ist sicher: Bochum ist für mich ein großes Stück Heimat, weil es ein Ort ist, wo ich gerne bin, wo ich immer wieder vorbeischaue, wo ich immer wieder gerne Freunde besuche. Bochum ist für mich schon ein bisschen „Home Is Where Your Heart Is“…

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Schachtzeichen während der Kulturhauptstadt über den alten Zechen

Wer mich kennt, der weiß: Ich bin ein Mensch der Bilder, der Fotos, der Schnappschüsse (meist eher als ein Mensch des Textes). So möchte ich gerne ein paar wenige Bilder zeigen, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe. Ganz unzusammenhängend, aber das ist Bochum🙂

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LUEG-Gebäude am Bochumer Hauptbahnhof 2012. Caelum Obscurum Est.

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StreetArt an der Jahrhunderthalle von den StreetArtists Decycle und kurznachzehn.

Bergbaumuseum Bochum

Eines von Bochums Wahrzeichen: Das Deutsche Bergbaumuseum

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Eines der ältesten Kiosks des Reviers an der Kortumstraße. Leider mittlerweile abgerissen.

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Stilleben: Party auf der A40, hier an der Abfahrt Werne beim Ruhr Park

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Darth Vader und Boba Fett bei der Comicbörse am Ruhrcongress Bochum Anfang 2000

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StreetArt-Wall in der Bochumer City an der Fashion Moda Hype Gallery

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WM-Feierei im Bermuda-Dreieck

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Das Terminal von Serra am Bochumer Hauptbahnhof

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Ein Blick ins Terminal von Serra am Hauptbahnhof bei Schnee

Herbert Grönemeyer sagt: „Bochum, oh du Blume im Revier“. Frank Goosen sagt: „Vielleicht nicht schön, aber doch ein Zuhause, auf das man irgendwie stolz sein kann.“ Und beide haben verdammt recht.

Trotzdem habe ich vor ein paar Jahren „Tschüss Bochum“ gesagt und „Auf Wiedersehen“ irgendwie gedacht. Da die Stadt ein Stück Heimat im Herzen ist. Bochum ist ein Ort, wo ich mich stets wohl gefühlt habe und stets wohl fühle, wenn ich mal wieder zu Besuch bin.  Wer weiß, was nach Düsseldorf und Hamburg irgendwann folgt. Zur Zeit bin ich mit Freundin, Job und Hamburg sehr glücklich und es ist auf dem besten Wege, eine neue, andere tolle Heimat zu werden.

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Tschüss Bochum-Banner gegenüber des Hauptbahnhofs

Wie es der Zufall will, werde ich am Samstag Bochum und meiner alten Heimat mal wieder „Hello Again“ sagen. Vielleicht auch ein Auslöser, warum ich mich an der Blogparade beteilige🙂

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Das Welcome-Tableaux am Bochumer Hauptbahnhof am 24.08.2013

Das Welcome-Tableaux am Bochumer Hauptbahnhof am 24.08.2013

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