„Museum der Zukunft“: SummerTalk mit Ann-Kathrin Hahn, Kunstmuseum Pablo Picasso

Münster hat so manche schöne Museen. Eines von ihnen ist das Kunstmuseum Pablo Picasso. Ich war bereits des Öfteren da, um mir gute Ausstellungen anzuschauen. Und auch beruflich hatte ich schon einmal mit dem Museum Kontakt, wobei ich auch Ann-Kathrin Hahn kennenlernte. Sie ist heute mein Gast beim SummerTalk zum „Museum der Zukunft“. Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat.

SH | Liebe Ann-Katrin, ich freue mich sehr, dass du an meiner kleinen „Summer-Talk“-Interviewreihe zum „Museum der Zukunft“ mitmachst.

AKH| Danke Sebastian, ich freue mich dabei sein zu dürfen!

SH | Gerne gerne🙂 Da das kleine Interview ja ein Beitrag für meinen Blog rund um „Museum und Social Media“ ist und da Hashtags heutzutage ja Gang und Gebe sind, möchte ich gerne wie immer mit eben solchen beginnen. Genauer, mit einem dreifachen Hashtag-Hattrick. Ich starte wie bisher auch mit #Besucher #Zukunft #Museum und nun bist du dran. Ich möchte gerne, dass du dich einmal mit drei Hashtags beschreibst.

AKH | #Maedchenfueralles #RecherchenundArchiv #SocialMediaaffin

SH | Und jetzt bitte drei Hashtags zu deinem Museum.
AKH | #PabloPicasso #KlassischeModerne #Frankreich

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SH | In einer Welt – egal ob heute oder morgen – gibt es immer und überall Konkurrenz. Auch bei den Museen. Was glaubst du, ist das besondere an deinem Museum? Warum kommen die Menschen zu euch und kaufen eine Eintrittskarte? Sind es vielleicht die von dir genannten drei Hashtags?AKH | Um ehrlich zu sein hatte ich kurz überlegt auf deine vorherige Frage mit #Picasso #Picasso #Picasso zu antworten! Die Tatsache, dass wir das einzige monografische Museum zu Pablo Picasso in Deutschland sind (und eines von fünf weltweit) ist ganz klar für den Großteil unserer Besucher der Grund in unser Museum zu kommen. Allerdings gibt es bei uns nicht 365 Tage im Jahr ausschließlich Werke von Picasso zu sehen. Stattdessen zeigen wir in der Regel vier Sonderausstellungen im Jahr, bei denen Picasso eine Rolle spielen kann, aber nicht muss. Parallel dazu ist dann in einer thematischen Zusammenstellung eine Auswahl unseres Eigenbestands zu sehen. Generell verstehen wir uns inzwischen mehr als Museum für die klassische Moderne, mit einem klaren Frankreichschwerpunkt. Dies spiegelt sich auch in unserer Sammlung wider, in der sich auch große Werkkonvolute von Georges Braque und Marc Chagall befinden.

SH | Menschen, die im Museum arbeiten, tun dies oft mit viel Leidenschaft und Herzblut. Gab oder gibt es für dich im Kunstmuseum Pablo Picasso einen Lieblingsobjekt oder Lieblingsort, zu dem du jeden Besucher hinschleifen würdest?

AKH | Mich für ein Lieblingswerk aus unserer Sammlung zu entscheiden fällt mir schwer, aber es gibt einen Lieblingsort: unser Depot. Seit meinem ersten Museumspraktikum bin ich von Archiven und Depots fasziniert, ich finde sie haben eine ganz besondere Atmosphäre; ein wenig wie auf dem Dachboden der Großeltern, wo man sich als Kind auch auf die Suche nach verborgenen Schätzen gemacht hat. Leider kann ich unsere Besucher dorthin nicht mitnehmen, aber die von dir bereits erwähnten Social Media bieten tolle Möglichkeiten, um auch ihnen einen Blick hinter die Kulissen des Museums zu geben!

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SH | Ann-Kathrin, ich weiß, dass du sehr Social Media-affin bist und heutzutage kommt auch ein Museum nicht mehr um das Thema digitale Netzkultur herum. Viel zu groß ist das mit diesem Internet geworden. Oder mal positiv formuliert: Museen können für sich und die Besucher eine Homepage, ein Blog, Facebook, Apps und vieles mehr optimal nutzen. Welchen Stellenwert hat dies alles aktuell und in Zukunft für das Kunstmuseum Pablo Picasso und für die Institution „Museum“ überhaupt?

AKH | Neben der obligatorischen Homepage haben wir seit Mai 2011 eine Facebook-Seite und letztes Jahr haben wir uns für den Ask a Curator Day bei Twitter angemeldet. Wie bereits erwähnt bieten diese Plattformen uns die Möglichkeit unseren Besuchern mehr Material und Informationen zu liefern als über den reinen Ausstellungsbesuch. Ich will nicht verheimlichen, dass mit der Anmeldung bei Facebook damals auch der – wie sich im Nachhinein herausstellte – naive Wunsch verbunden war, die für uns „schwierige“ Besuchergruppe der Teenager und jungen Erwachsenen besser anzusprechen. Aber so einfach ist es dann doch nicht! Generell können wir aber beobachten, dass der direkte Austausch mit unseren Besuchern dadurch wie erhofft größer geworden ist. Sicherlich könnten wir im Bereich der Social Media noch deutlich mehr unternehmen, als wir es momentan tun, aber wie wohl die meisten kleineren Häuser haben wir kein extra Personal für die Betreuung unserer Social Media-Auftritte, sondern pflegen sie zu dritt neben unseren jeweiligen Hauptaufgaben. Ich möchte hier aber nicht unerwähnt lassen, dass natürlich auch meine wissenschaftliche Arbeit durch das Internet stark erleichtert wird, da immer mehr Museen sich dazu entschließen ihre Sammlungen und Archivmaterialien auch online zugänglich zu machen.

SH | Was glaubst du, wie sich das Internet und der ganzen „Rattenschwanz“ auf die Besucherzahlen, die ja für Museen sehr wichtig sind, in Zukunft auswirken wird? Böse Stimmen behaupten ja, dass die Menschen fern bleiben, weil alles bald im Internet zu sehen sein wird.

AKH | Ich glaube meine Vorredner sind sich einig, und ich möchte mich ihnen anschließen, dass das Internet den tatsächlichen Museumsbesuch nicht ersetzen kann und wird. Allerdings werden wir uns in Zukunft noch mehr um unsere Besucher bemühen werden müssen, damit der Museumsbesuch neben all den anderen Freizeitangeboten (ob nun on- oder offline) attraktiv bleibt. Die Lösung hierfür können meiner Meinung nach auf Dauer aber nicht immer größer werdende Blockbuster-Ausstellungen sein. Natürlich wird ein interessantes und spannendes Ausstellungsprogramm die Grundvoraussetzung für gute Besucherzahlen bleiben, darüber hinaus müssen wir aber eine stärkere Identifikation der Besucher mit „ihrem“ Museum erreichen, damit sie es auch mehr als einmal besuchen. Deshalb glaube ich, dass wir als Museumsmitarbeiter das Internet nicht als Schreckgespenst ansehen, sondern uns zur Besucherbindung nutzbar machen sollten. Die verschiedenen Möglichkeiten um mit Hilfe der Social Media in einen intensiveren Austausch mit dem Besucher zu treten und ihm über den eigentlichen Museumsbesuch hinaus weiterführende Informationen an die Hand zu geben, brauche ich hier wohl niemandem hier mehr aufzuzählen. Ich gebe aber durchaus zu, dass wir mit dem Picassomuseum bei ihrer praktischen Umsetzung auch noch in den Kinderschuhen stecken.

SH | Aber ich bin mir sicher, das wird schon🙂 Spielen wir noch einmal ein wenig Zeitmaschine. Was werden in 10 Jahren die Highlights im Kunstmuseum Pablo Picasso sein?

AKH | Sicherlich wird sich das Picassomuseum in den nächsten 10 Jahren nicht völlig neu erfinden, sondern ein klassisches Kunstmuseum bleiben. Wir sind ja auch immer noch ein recht junges Museum; diesen Sommer feiern wir erst unseren 12. Geburtstag. Ich hoffe, dass wir unsere Sammlung durch Neuerwerbungen und Dauerleihgaben weiter vergrößern werden können. Wer weiß, vielleicht kommt ja auch noch der ein oder andere Künstlerkollege von Pablo Picasso in den Sammlungsbestand.

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SH | Innovation und Evolution ist wichtig um zukunftsfähig zu sein und sich weiter zu entwickeln. Wie weit kann und möchte sich das „Museum der Zukunft“ auf neue Dinge einlassen?

AKH | Natürlich kann und sollte sich auch die Institution Museum nicht dem allgemeinen Fortschritt völlig verweigern, auch wenn das Sammeln und Bewahren wie wir alle wissen zu seinen Kernaufgaben gehört. Aber Bewahren muss ja nicht Stillstand bedeuten. Meiner Meinung nach ist es für Museen durchaus miteinander vereinbar die eigene Tradition zu pflegen und sich trotzdem weiterzuentwickeln.

SH | Mal was anderes – und es passt gerae ganz gut: Welches war eigentlich das Museum, dass dich persönlich am meisten beeindruckt hat und wo du auch im Rentenalter noch hingehen wirst?

AKH | Hmm, schon wieder so eine schwierige Wahl! Es gibt einfach immer wieder Museen, die mich besonders beeindrucken. Deshalb wünsche ich mir vor allem, dass ich auch noch als Rentnerin mobil und neugierig genug sein werde um neue Museen und Sammlungen zu entdecken!

SH | Wenn dir der Dschinn aus der Lampe begegnen würde, welche 3 Dinge würdest du dir persönlich als Mitarbeiter und Besucher für das „Museum der Zukunft“ wünschen?

AKH | Als Museumsmitarbeiterin wünsche ich mir von deinem Dschinn: 1. Den Einfallsreichtum von Scheherazade bei der Entwicklung von Ausstellungsprojekten. 2. Den Schatz von Ali Baba um sie finanziell umzusetzen und 3. Einen fliegenden Teppich um die Ausstellungsstücke schnell und unbeschadet ins Museum zu bringen. Meine Wünsche als Ausstellungsbesucherin können mit Sicherheit auch meine Kolleginnen und Kollegen erfüllen!

SH | Liebe Ann-Kathrin. Danke für’s Mitmachen und weiterhin viel Spaß und Erfolg mit Picasso in Münster. Übrigens einer meiner Lieblingskünstler.

Geboren 1981 in Essen. Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Privatrecht in Münster. Bereits während des Studiums Mitarbeit in der Kunstvermittlung und Verwatung des Kunstmuseum Pablo Picasso Münster. Seit 2011 dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.

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