“MUSEUM DER ZUKUNFT”: SUMMERTALK MIT BÄRBEL AUFFERMANN, NEANDERTHAL MUSEUM

Mit der neuesten Ausgabe vom SummerTalk geht es zurück an einer meiner „Museums-Wurzeln“. Und das somit auch im wahrsten Sinne des Wortes an die Wurzeln der Menschheit. Es geht zum Neanderthaler – genauer zum Neanderthal Museum und meiner ehemaligen Chefin, Bärbel Auffermann. Sie ist dort stellvertretende Direktorin und vor allem für den Bereich der Sonderausstellungen und für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Und somit auch ein guter Ansprechpartner zum „Museum der Zukunft“.

SH | Hallo Bärbel, da ich mehrere Jahre im Neanderthal Museum gearbeitet habe, freut es mich besonders, dass du beim „SummerTalk“ auf meinem Blog zum „Museum der Zukunft“ mitmachst Gerne möchte ich wie bei meinen bisherigen Gesprächspartnern auch bei dir mit einem dreifachen Hashtag-Hattrick starten. Ich beginne mal mit meinen Standard-Hashtags, die uns gleich ein bisschen begleiten: #Besucher #Zukunft #Museum. Nun bist du dran. Auf vielen Barcamps und Konferenzen stellen sich die Teilnehmer mit drei Hashtags vor. Welche wären es bei dir?

BA | Ausstellung, Erlebnis, Kommunikation

SH | Und nun einmal drei Schlagwörter zum deinem Museum.

BA | Neanderthaler, Besucher, Team

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Die Außenansicht des Neanderthal Museums in Mettmann (Foto: Neanderthal Museum/A. Laaks)

SH | Überall – auch im Museumsbereich – geht es um Konkurrenz. Auch bei Museen ist das so, wenn es um Ausstellungen, Besucherzahlen,… geht. Was glaubst du, was zeichnet das Neanderthal Museum aus, sodass die Menschen immer wieder kommen und eine Eintrittskarte kaufen?

BA | Das ist zum einen sicher das Thema. Wir sind kein Archäologie- oder Naturkundemuseum, sondern bei uns geht es um Menschheitsgeschichte, es geht also alle an. Dann ist es so aufbereitet, dass es auch alle verstehen können, dazu abwechslungsreich gestaltet, damit keine Langeweile aufkommt und garniert mit diversen Medien und einfachen Mitmachstationen.

SH | Gibt es für dich im Museum einen Lieblingsobjekt oder Lieblingsort, den jeder, der ins Tal kommt, unbedingt gesehen haben muss, bevor er wieder geht?

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Dr. Bärbel Auffermann und Mr.N, der Neanderthaler

BA | Klar, das ist unser Protagonist, Mr.N, die Rekonstruktion des Neanderthalers, der unsere Gäste im Foyer begrüßt.

SH | Heutzutage kommt auch ein Museum nicht mehr um das Thema digitale Netzkultur herum. Viel zu groß ist diese Internet geworden. Oder mal positiv formuliert: Museen können für sich und die Besucher eine Homepage, ein Blog, Facebook, Apps und vieles mehr optimal nutzen. Wir haben vor 3, 4 Jahren das Neanderthal Museum gut auf die Beine gestellt, seitdem hat es sich ständig weiter entwickelt. Aber welchen Stellenwert hat dies alles in Zukunft für Neanderthal Museum und für die Institution Museum überhaupt?

BA | Es ist im Arbeitsalltag so selbstverständlich geworden wie z.B. Ausstellungstexte schreiben. Einen Blog-Beitrag zu verfassen wenn es etwas zu sagen gibt oder zwischendurch bei fb posten, das gehört für uns dazu. Es ist eine Form der Kommunikation mit Besuchern und auch Nicht-Besuchern, die mag manchmal belanglos erscheinen, stärkt aber insgesamt die Kundenbindung. Einen echten Mehrwert bringt z.B. unsere App, die gut angenommen wird. In dem Bereich wird sich sicher in den nächsten Jahren einiges tun, ich hätte z.B. gerne auch für die Sonderausstellungen Apps, die z.B. Audiotexte auf die Endgeräte der Besucher bringen.

SH | Oft werde ich in Bezug auf die Webarbeit von Museen gefragt, wie sich das ganze auf die Besucherzahlen auswirken wird. Was meinst du dazu? Ich habe neulich noch gehört, dass die Menschen die Museum ja fern bleiben würden, wenn alles im Netz wäre.

BA | Gähn, wer sagt denn so was? Dann machen Leser von Reiseführern auch keine Reisen mehr? Wir können das Gegenteil unmittelbar messen: Wenn wir an einem Sonntagmorgen viele Klicks auf unserer Homepage haben, kommen an dem Tag auch viele Besucher.

SH | Machen wir uns doch auf eine kleine Zeitreise Was werden in 10 Jahren die Highlights Neanderthal Museum sein, die die Besucher nach Mettmann locken?

BA | Das wird wie vor 10 Jahren auch der Mythos des Ortes sein. Hoffentlich ist bis dahin unser Traum erfüllt, die Fundstelle besucherorientierter zu gestalten. Und vielleicht haben wir dann einen Anbau für größere Sonderausstellungen…

SH | Innovation und Evolution sind wichtig, um zukunftsfähig zu sein und sich weiter zu entwickeln – keiner weiß das besser als Mr.N. Was glaubst du, in wie weit sich das „Museum der Zukunft“ auf neue Dinge einlassen kann und will?

BA | Einige werden weitermachen wie wir und die Medien, die Menschen alltäglich nutzen auch in ihre Ausstellungen integrieren, andere brauchen da noch weitere Jahrzehnte… So wird es das Museum der Zukunft so wenig geben wie das Museum der Gegenwart. Aber diese Vielfalt macht ja auch den Reiz der Museumslandschaft aus: von der Wunderkammer bis zur radikalen Virtualität.

SH | Welches war eigentlich das Museum, dass dich persönlich am meisten beeindruckt hat? Wo du immer wieder gerne hingehen würdest – heute, morgen, übermorgen Und vor allem: Warum? (Hier wäre ein Foto mit dir und dem Museum dazu super!)

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Das National History Museum in London.

BA | Mich hat das neue Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln sehr beeindruckt. Hier erzählen die Objekte Geschichten, sind schön kontextualisiert. Und mein absoluter Favorit ist das Natural History Museum in London, ein Tempel der Wissenschaft, und dabei so herrlich offen und besucherorientiert. Ich kenne dort einige Kolleginnen und bin immer wieder beeindruckt von der Professionalität ihrer Museumsarbeit, egal ob im Bereich Ausstellung, Vermittlung oder Evaluation.

SH | Bärbel, Wenn dir der Dschinn aus der Lampe drei Wünsche für das „Museum der Zukunft erfüllen würde, wie würden diese als Museumsmitarbeiter und Museumsbesucher aussehen?

BA | In meiner idealen Museumswelt arbeiten die Mitarbeiter für die Besucher und nehmen deren Perspektive ein. Dann wären die Ausstellungen weniger arrogant und selbstverliebt. Es ärgert mich immer wieder maßlos, wie wenige wirklich besucherorientierte Ausstellungen es gibt.

SH| Vielen Dank, dass du den SummerTalk mitgemacht hast! Bis bald wieder im Neandertal.

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