„Museum der Zukunft“: SummerTalk mit Lars Friedrich, Museum im Bügeleisenhaus Hattingen

Der SummerTalk zum „Museum der Zukunft“ geht in die zweite Runde. Heute ist mein Gesprächspartner Lars Friedrich, der im Museum im Bügeleisenhaus seit einiger Zeit Ausstellungen realisiert.

SH | Hallo und herzlich willkommen Lars. Ich freue mich sehr, dass du als Vertreter für das Museum im Bügeleisenhaus – einem besonderen Ausstellungsort – an meiner kleinen Interviewreihe zum „Museum der Zukunft“ mitmachst. Das Ganze erscheint ja auf einem Blog, der sich vor allem mit Museum und Social Media beschäftigt – und da Hashtags heutzutage Gang und Gebe sind, möchte ich gerne mit eben solchen beginnen. Genauer – wie auch bei meinen vorherigen Gesprächspartnern Tanja Neumann – mit einem dreifachen Hashtag-Hattrick. Den Reigen habe ich letzte Mal auch schon mit den Hashtags eröffnet, die uns gleich ein wenig begleiten werden: #Besucher #Zukunft #Museum. Nun bist du dran. Ich möchte gerne, dass du dich einmal mit drei Hashtags beschreibst. Unabhängig von deiner Vita am Ende des Interviews😉

LF (Lars Friedrich) | #Heimatverbundener #MalumdieEckedenker #HattingenimHerzhaber

SH | Und jetzt bitte drei Hashtags zum Museum, indem du tätig bist.

LF | #Fachwerkfreude #Mittelalterschätze #Altstadtgeschichte

7156_581904925163187_2020275417_n

Lars Friedrich und die Mittelalterschätze im Museum im Bügeleisenhaus

SH | In einer Welt – egal ob heute oder morgen – gibt es immer und überall Konkurrenz. Auch bei den Museen. Was glaubst du, ist das besondere an deinem Museum mitten im Herzen von Hattingen? Warum kommen die Menschen und kaufen bei euch eine Eintrittskarte? Sind es vielleicht die von dir genannten drei Hashtags?

LF | 150 Fachwerkhäuser rund um die St. Georgs-Kirche laden nach Hattingen ein – aber nur ein Haus kann man vom Keller bis fast zum Dach von innen bestaunen: Im „Museum im Bügeleisenhaus (MiBEH)“ von 1611 versprechen Hausbrunnen, knarrende Eichendielen, niedrige Türen und kleine Butzenfenster den großen und kleinen Gästen #Fachwerkfreude pur!

SH | So wie du davon schwärmst, klingt es nach dem Paradies für Fachwerk-Fans🙂 Ansich ist es ja so, dass Menschen, die im Museum arbeiten, dies oft mit großer Motivation tu. Nicht selten steckt sehr viel Leidenschaft und Freude an der Materie da drin. Gab oder gibt es für dich im Museum einen Lieblingsobjekt oder Lieblingsort, den jeder Besucher unbedingt sehen muss?

LF | Natürlich, den gibt es – aber zeigen kann ich den leider nur ganz selten und auch nur Einzelgästen. Mein Lieblingsort ist der Dachboden und dort öffne ich gerne unsere Dachluke für einen nahezu einzigartigen Blick über die Altstadthäuser bis zum schiefen Kirchturm der St. Georgs-Kirche. 

970229_581904845163195_1550710151_n

Aussicht vom Dachboden des Museums im Bügeleisenhaus Hattingen

SH | Vom Blick über Hattingen ein Blick zum World Wide Web: Heutzutage kommt auch ein Museum nicht mehr um das Thema digitale Netzkultur herum. Viel zu groß ist dieses Internet geworden. Oder mal positiv formuliert: Museen können für sich und die Besucher eine Homepage, ein Blog, Facebook, Apps und vieles mehr optimal nutzen. Welchen Stellenwert hat dies alles aktuell und in Zukunft für das Museum im Bügeleisenhaus und für die Institution „Museum“ überhaupt?

LF | Seit 2012 begleiten wir die Ausstellungen im „Museum im Bügeleisenhaus (MiBEH)“ jeweils mit einem Blog, einer Facebook-Fanseite, einem Twitter-Kanal, einem Youtube-Profil und einem Google+-Account und informieren so umfassend über unser Angebot. Ich gehe davon aus, dass diese Kanäle – besonders wenn sie mobil optimiert sind (mein Zukunftswunsch fürs MiBEH 2.0-Angebot) – in der Zukunft noch wichtiger werden, da bei immer weniger Zeit und immer mehr Angeboten die Freizeit immer öfter „nebenbei“ digital vorverplant werden wird.

SH | Sehe ich genauso. Aber was glaubst du, wie sich das Internet und der ganzen „Rattenschwanz“ explizit auf die Besucherzahlen, die ja für Museen sehr wichtig sind, auswirken wird? Manch Stimmen behaupten ja, dass die Menschen fern bleiben, weil alles bald im Internet zu sehen sein wird.

LF | Ich sehe hier gar nicht so schwarz wie manche Museumsleute. Die digitalen Medien werden meiner Meinung nach helfen, aus einer bald unüberschaubaren Flut an Freizeitangeboten eine Auswahl zu treffen – eine virtuelle Auswahl dessen, was man dann vor Ort wahrnehmen möchte. Wer sich in den neuen Medien gut positioniert, der hat auch gute Chancen, wahrgenommen zu werden.

SH | Und auf sich aufmerksam zu machen! Gekoppelt mit der klassen Öffentlichkeitsarbeit ist das meiner Meinung nach eine perfekte Mischung für die Zukunft. Spielen wir noch einmal ein wenig Zeitmaschine. Was werden in 10 Jahren die Highlights im Museum im Bügeleisenhaus sein?

LF | Eine Multimediapräsentation „Leben in der Altstadt“, eine 4D-Animation „Hattingens Unterwelt“ und eine Jugendforscherakademie „Mittelalter erleben“.

SH | Das klingt nach einer sehr konkreten und erweiternden Ausstellungsidee! Gut. Innovation und Evolution ist wichtig um zukunftsfähig zu sein und sich weiter zu entwickeln. Wie weit kann und möchte sich das „Museum der Zukunft“ auf neue Dinge einlassen?

LF | Unbegrenzt weit. Museen sammeln, Museen konservieren, Museen präsentieren – aber alles macht nur Sinn, wenn auch Besucher da sind, die konsumieren. Und um diese anzusprechen und für das Thema zu gewinnen, muss sich das Museum der Zukunft auch den aktuellen Trend bedienen, ohne seine Wurzeln zu vergessen.

SH | Ich weiß, dass du auch gerne andere Museen besuchst😉 Welches war eigentlich das Museum, dass dich persönlich auf Anhieb und nachhaltig am meisten beeindruckt hat und wo du auch im Rentenalter noch hingehen wirst? Und vor allem: Warum?

LF | 8 von 10 Punkten für das Rosengartenmuseum in Konstanz am Bodensee, denn die Vor- und Frühgeschichtliche Sammlung ist dort in der Aufstellung des 19. Jahrhunderts erhalten – ein einzigartiges Ensemble, quasi ein Museum im Museum. 9 von 10 Punkten für das Natural History Museum in London mit seiner atemberaubenden Sammlung der größten, schwersten und seltensten Tiere der Welt, einem lebensgroßen Blauwalmodell, einer 40 Millionen Jahre alte Spinne, einem Erdbebensimulator und einem Elefantenvogelei.

1001493_581904848496528_540790197_n

Lars Friedrich bei seinem Besuch im NAtional History Museum in London

10 von 10 Punkten für das „Touriseum“ auf Schloss Trauttmansdorff bei Meran – mechanische Theater, detailgetreue Modelle, Filme, Töne: das Touriseum ist alles andere als ein verstaubtes Museum mit langatmigen Texten.

SH | Und schon wieder sind ein paar Museen auf meiner „To Watch-Liste“. Lars, wenn dir der Dschinn aus der Lampe begegnen würde, welche 3 Dinge würdest du dir persönlich als Mitarbeiter und Besucher für das „Museum der Zukunft wünschen?

LF | Eine Google-Glass für den Blick hinter die Museumkulissen, virtuelle Objekte als Zugang zu mehr Informationen mittels „Augmented Reality“ und einen wirklich leckeren Museumskaffee, der zum Wiederkommen animiert.

SH | Guter Kaffee im Museumscafé – da bin ich auch für! Überall🙂 Danke dir für deine Antworten und viel Erfolg bei kommenden Ausstellungsprojekten!

—-

Bildschirmfoto 2013-06-19 um 00.32.31Lars Friedrich, 1968 geboren, bin ich in Hattingen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Abitur habe ich zunächst als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen im Sauerland und Norddeutschland gearbeitet, folgte dann einem plötzlichen Freiheitsdrang und ging als Pressesprecher mit dem Circus Roncalli auf Tournee, bevor ich als Pressechef des Düsseldorfer Apollo Varietés wieder in NRW sesshaft wurde. Seit 2003 bin ich in der Marketingabteilung eines bundesweit tätigen Bildungsanbieters in Bochum tätig.
1996 hatte ich meine erste historische Sonderausstellung gestaltet, 2012 und 2013 folgten weitere Ausstellungsprojekte für den Heimatverein Hattingen. Für 2014 und 2015 wird diese erfolgreiche Zusammenarbeit im „Museum im Bügeleisenhaus (MiBEH)“ fortgeführt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: