Social Media-Manager: ein neues Berufsbild im Museum heute (und zukünftig)?!

Wir schreiben das Jahr 2013 und nein, von einem Trend kann man heutzutage wirklich nicht mehr sprechen, wenn es um Social Media bzw. das Social Web geht. Längst ist das Internet eine Form von Kultur der Menschen geworden, die sich fließend verändert ohne dass wir es an vielen Stellen bewusst wahrnehmen. Was aber Fakt ist, dass wir es auf vielfältige Art und Weise nutzen. T3n veröffentlichte vor kurzem einem Überblick zum „Das Internet 2012 in Zahlen“, was genau das belegt.

Museen und Ausstellungshäuser haben in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Mitteln Maßnahmen getroffen, um sich im Internet bestmöglich aufzustellen. Was oft als Versuch und Experiment begann, hat sich über langsam aber sicher professionalisiert oder ist auf dem besten Weg dorthin. Damit unmittelbar verknüpft ist die Frage, wie eigentlich in naher Zukunft mit dem Arbeitspensum und den neuen Aufgaben, die die Arbeit im Internet mit sich bringt, in das Organigramm eines Museums integriert ist. Kurzum: Ist das Museum bereit, Social Media-Manager anzustellen? Diese Frage beschäftigte mich bereits im Vorfeld des stARTcamps Köln Ende 2012, wo ich dazu referierte und die Zuhörer eine spannende Diskussion entfachten. Nun möchte ich das Thema aufgrund verschiedener Anlässe noch einmal für diesen Blogpost aufgreifen.

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Der Social Media-Manager als neue Fachkraft in Museen (?)

Denn: Eines der aktivsten Museen im Social Web verliert demnächst seinen „Strippenzieher im Internet“. Florian Blaschke vom Lehmbruck Museum verlässt das Kunsthaus in Duisburg, aber positioniert sich bereits neu und hat ein Stellengesuch2.0 der besonderen Art aufgegeben. Doch: Wie sieht das bei anderen Museen in Zeiten von Sparzwang und Haushaltkürzungen aus? Kann sich ein Museum überhaupt einen Social Media-Manager leisten, der die aktive Kommunikation im Web bewerkstelligt? In vielen Fällen agieren die Institutionen in zweierlei Hinsicht und aus der Not heraus: Entweder übernehmen Mitarbeiter/innen anderer Abteilung diese Aufgabe zusätzlich, oder es kommt zum Einsatz von Praktikanten. Beim ersten Fall lässt sich beobachten, dass das Thema vor allem in 3 Museumsbereichen besonders angesiedelt ist: Im Marketing, in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder in der Museumspädagogik. „Getwitter“, „gefacebookt“ und „gebloggt“ wird je nach Modell von vielen: vom Direktor bis zum Volontär. Oft spielt sicherlich die Affinität zum Medium eine entscheidende Rolle. Dies wird häufig auch transparent nach außen kommuniziert. Doch zurück zur eigentliche Frage: Gibt es eigentlich schon Museen in Deutschland mit eigenen Social Media-Managern so wie es in vielen anderen Ländern Gang und Gebe ist? Gibt es einen Stellenmarkt für Museumsleute, die sich auf den Bereich spezialisiert haben oder das vorhaben?

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Stellenausschreibung einer Social Media-Stelle für eine Museumsprojekt

Im letzten Jahr habe ich mehrere Stellenausschreibungen verschiedener Institutionen im Netz wahrgenommen. Zuletzt suchte beispielsweise das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart eine Person für Online-Redaktion und Social Media. Und auch das Jüdische Museum in Berlin wollte 2012 einen Social Media-Manager (halbtags!) anstellen.

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Social Media-Manager-Stellenausschreibung des Jüdischen Museums Berlin

All diese Stellenausschreibungen gehen in eine gute, richtige Richtung. Nämlich in die, dass immer mehr Museen erkennen, dass es gut ist, einen Social Media-Manager zu beschäftigen. Losgelöst von den anderen Abteilungen, mit dem Blick für das ganze Museen und mit der digitalen Feder in der Hand ins World Wide Social Web, ein offenes Ohr für Lob und Kritik von Museumsbesuchern und  User, einem Geschichtenerzähler mit Sprachrohrmentalität in den sozialen Netzwerken, und und und. Bei den Ausschreibungen werden unterschiedliche Qualifikationen gefordert. Aber was genau sollte ein Social Media-Manager (im Museum) überhaupt alles können? Diese Frage lässt sich sicherlich nicht mit einem Blogpost beantworten, wohl aber mit einigen Lesetipps, die ich gerne einmal hier anbringen möchte: Axel Kopp schrieb vor einiger Zeit, wie er sich eine Ausbildung zum Social Media-Manager (oder so ähnlich) wünschen würde. Eine gute Liste an wichtigen Themen und strukturierte Aufschlüsselung der relevanten Tätigkeiten eines Jeden, der Social Media in einer Institution „macht“. Doch was ist, wenn sich ein Themenfeld so verändert, dass sich dementsprechend auch die Arbeitskräfte im Fluss des stetigen Lernens befinden? Diese Frage schoss mir durch den Kopf, als ich vor kurzem den Artikel „Social Media Manager, wie wir sie kennen, sind tot“ von Frank Tentler las. Was sind Basis-Fähigkeiten in dem Job und welches Wissen macht einen Social Media-Manager überhaupt erst richtig gut? Fest steht, dass das Arbeiten im Internet und Social Web immer eins mit starken, schnellen und massiven Veränderungen ist und sein wird. Im letzten Jahr stelle der Bundesverband Digitale Wirtschaft eine Übersicht mit Jobprofilen von Informationsarchitekt bis Community-Manager auf, über zahlreiche Weiterbildungsinstitute von Social Media-Akademie bis IHK werden Kurse und Lehrgänge zu Social Media angeboten. Alles für die Katz, wenn der ausgebildete Social Media-Manager auf den Arbeitsmarkt vorpreschen möchte? Nein. Denn sicherlich ist ein Wissen um die Grundmechanismen wichtig, aber das eigentlich „Machen“ ist von Firma zu Firma, Institution zu Institution und Museum zu Museum sehr unterschiedlich. Also gilt es als potentiell langfristig guter Social Media-Manager ein gewisses „Know How“, aber im Arbeitsalltag ein ständig wachsendes „Do How“ aufzubauen. Aber bei welcher Ausbildung ist das anders?

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stARTcamp Köln-Session „Wir basteln uns einen Social Media-Manager“, Foto: Oliver Schwarz

Vergangenes Jahr, auf dem stARTcamp in Köln, gab es eine Session, bei dem die Teilnehmer/innen sich einen Social Media-Manager basteln konnte. Innerhalb von 15 Minuten und mit unterschiedlichsten Materialien. Eine hervorragende Session! Nicht nur, weil am Ende alle Pappkameraden anders aussahen, sondern weil man auch eine Menge über die Vorstellungen der anderen zu den Eigenschaften eines Social Media-Managers herausfand. Und natürlich – was ich auch bei Museums-Workshops immer wertschätze – weil man etwas mit nach Hause nehmen konnte.

Was bleibt? Schlussendlich die Erkenntnis, dass der perfekte Social Media-Manager auf unterschiedliche Weise gebacken (bzw. gebastelt) werden kann und dass sich gerade in Museen und anderen Kutlureinrichtungen sich in den letzten Monaten und Jahren kompetente und weiter wissenshungrige Social Media-Manager entwickelt haben (was ich als ehemaliger „Fast“-Social Media-Manager eines Museums gut finde und wie es auch Frank Tentler im folgenden Google+Beitrag auf den Punkt bringt). Nach wie vor gibt es die Berufsgruppe nur rudimentär als feste Jobposition in den wenigsten Museen in Deutschland, auch wenn sich die Stellenangebote kontinuierlich häufen. Da ist noch Luft nach oben. In 5 Jahren zähle ich dann einmal durch und berichte erneut. Versprochen. Vielleicht sogar via Video-Interviews mit ein paar Social Media-Managern verschiedener Museen.

3 Kommentare

  1. Hallo Sebastian,
    danke für diesen inspirierenden Beitrag.
    Wahrscheinlich waren die aktuellen Blogparaden auch ein Anlass dieses Thema noch mal zu vertiefen… Ich finde wirklich beeindruckend, was sich da gerade alles tut.

    JA, es braucht auch in der Kunst- und Kulturvermittlung unbedingt Experten für social media.

    Die Möglichkeiten mit Interessierten in den Dialog zu kommen, sind vielfältig.
    Aktive Präsenz in social media-Kanälen kann Menschen für Kunst und Kultur begeistern und zu Besuchen in den Kultureinrichtungen motivieren.

    Wichtig erscheint mir eine individuelle Strategie (gilt für jedes Unternehmen), die zur Kultur (und zu den Budgets) der jeweiligen Einrichtung passt.
    Es gibt eben nicht DIE eine social media-Strategie….

  2. […] Social Media-Manager: ein neues Berufsbild im Museum heute (und zukünftig)?! « MUSEUM & SOCIAL… […]

  3. Ich sehe das genauso. Social-Aktivitäten sind, im besten Fall, immer auch ein Querschnitt durch die Aktivitäten eines Museums. Insofern ist eine enge Zusammenarbeit mit eigentlich allen Abteilungen nötig, und die kann, wenn sie ernst genommen wird, kaum mehr „nebenbei“ aufrecht erhalten werden. Selbst Mitarbeiter_innen, die auch für die Interne Kommunikation zuständig sind, werden da irgendwann an ihre Grenzen stoßen. Insofern: Ja, Museen sollten über Social-Media-Manager-Innen nachdenken. Es würde sich lohnen.

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