Wenn das Web im Web ein Museum bekommt: The Big Internet Museum

„Let The Dream Come True“. Musikkundige würden diese Zeile vermutlich direkt mit DJ Bobo und seinem Dancefloor-Smashhit aus dem Jahr 1994 in Verbindung bringen. Doch dieser Satz schoss mir durch den Kopf, als ich neulich via Facebook auf eine Website aufmerksam (gemacht) wurde: „The Big Internet Museum“. Eine schlichte Homepage, die als virtuelles Museum „Exponate“ beherbergt, die eine Geschichte des Internets illustriert. Von der Erfindung von „ARPANET“ bis zu einem der aktuellen großen Meme, dem „Gangnam Style“. Öffnungszeiten: Immer geöffnet (da online). Doch: Noch steckt es in den Kinderschuhe, diese Seite, die dem Web im Web mit ein Museum huldigen möchte.

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Die „Eingangshalle“ in „The Big Internet Museum“

Der Aufbau der ausgestellten Objekte ist simpel. Nach dem Entry folgt eine Timeline, auf der die User von Meilenstein zu Meilenstein per Klick surfen kann. Jeder dieser Meilensteine erhält ein Bild (zum Teil animiert, was bei den „animierten Gifs“ mehr als angebracht ist), darüber hinaus die Betitelung, der Erfinder, das Jahr und einen ausführlicheren Beschreibungstext. Alles wie in einem echten Museum. Zusätzlich gibt es zwei Sharing-Möglichkeiten für Twitter und Facebook – und ein Icon „MORE“. Dahinter befinden sich je nach Exponat entweder weiterführende Links, Vergrößerungen der Fotos, weiteres Bildmaterial oder vergleichbare Beispiele. Es sind zusätzliche kleine Gimmicks, die das jeweilige Thema noch ein wenig weiter vertiefen. Doch da zeigt sich ein erster Ansatzpunkt für eine weitere Optimierung und die Schaffung eines weiteren Mehrwerts bei „The Big Internet Museums“: Mehr Fotos, mehr Infos, mehr Links, mehr Relevantes, mehr Weiterführendes bitte.

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Das Arpanet in „The Big Internet Museum“

Warum nicht bei „Spam“ eine Liste mit vielen absurden, lustigen, unverschämten, aufdringlichen, mit Rechtschreibfehlern gespickten Spam-Mails an das Ausstellungsobjekt heften. Warum nicht bei Webcam ein Kaleidoscope von 30 öffentlichen Webcams von 30 Standorten auf der ganzen Welt platzieren? Warum nicht eine Playlist von „Gangnam Style“-Videos mit Madonna, MoMA und vielen mehr via Youtube-Channel zusammenstellen und verlinken? Es gäbe so viele, wenn nicht unbegrenzte Möglichkeiten, den Ansatz des Museums des Webs im Web weiter auszubauen.

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Der Spam in „The Big Internet Museum“

Ich komme noch einmal kurz auf die Anfangszeile des Blogposts zurück. Denn ich hatte – so als Museums- und Social Media-Mensch – vor einiger Zeit einmal eine Idee bzw. Traum geäußert, die ich mit mehreren Menschen online (z.B. Tanja Neumann oder Frank Tentler) und offline diskutierte: Warum nicht dem Internet ein eigenes Museum widmen. Sozusagen eine Mischung aus historischem Museum, Echtzeit-Erlebnisort und Science-Center für Zukunftsthemen. Das Internet ist oft Bestandteil von Sonderausstellungen (z.B.  @Home – Unsere Gesellschaft im digitalen Zeitalter) oder ist innerhalb von Dauerausstellungen (z.B. im Museum für Kommunikation Berlin, Nürnberg und Frankfurt, dem Heinz Nixdorf MuseumsForum und weiteren Computermuseen), aber bislang wurde ihm kein eigener Ort des Sammelns, Bewahrens, Forschens, Vermittelns und Kommunizierens gewidmet. Jedenfalls nicht im realen Leben. The Big Internet Museum betritt hier das Feld, über ds ich schon vielerorts mit anderen Museums- und Internetbegeisterten gesprochen, diskutiert und Ideen gesponnen habe.

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Der Captcha-Code in „The Big Internet Museum“

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Das Netzwerk Myspace in „The Big Internet Museum“

Wir werden sehen, wie sich das Thema Internet, Social Media und die mobile Welt des Webs in den nächsten Jahren entwickelt, was alles neu kommen wird und was alles aussterben wird. Denn längst geht es nicht mehr um Konstanten, sondern um Veränderungen. Und wenn etwas verschwindet, sollte man es für die Zukunft festhalten, um es nachfolgenden Generation zu zeigen und darüber Geschichten erzählen (können). Im Big Internet Museum befinden sich bereits einige Dinge, die es nicht mehr gibt und mit denen man Erinnerungen verbindet. Wann habe ich das letzte mal ICQ verwendet („Skype ist doch sowieso viel besser““), wann habe ich mich das letzte mal bei Myspace oder Studivz eingeloggt („Wie, das gibt es noch?“) und wann nutzte ich zum letzte mal den Netscape Navigator („Ich surfe nur noch mit Chrome, Opera und Firefox.“)? Wie war das noch mal damals?

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Gangnam Style in „The Big Internet Museum“

Wir werden es weiter erleben, dass viele Dinge des Internet zu Meilensteinen und auch aussterben werden. Weil etwas Neues kommt, das seinen Vorgänger ablöst. Das ist das Gesetz der Evolution. Unlängst zeigte dies in Bezug auf elektronische Alltagsgegenstände das „Museum Of Obsolete Objekts“, einem Online-Projekt von Jung van Matt/next, über das ich bereits bloggte.

Also: Be Part Of The Internet. Save The Internet. Expose The Internet.

Ich würde mir sehr wünschen, wenn solche Projekte weiter ausgebaut werden und das wir vielleicht irgendwann wirklich durch ein „Museum des Internet“ flanieren und auf die Geschichte des Webs im echten Leben erleben können.

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