Wenn es Zeit ist zu gehen: Ein Nachruf auf StudiVZ, jetzt schon.

Was sich schon länger erahnen ließ, wurde heute mit mehr oder weniger Brief und Siegel in der Online-Presse publiziert: Holtzbrinck hisst die weiße Netzwerk-Fahne und beerdigt „SchülerVZ“, „MeinVZ“ und „StudiVZ“. Aus dem ersteren soll eine Lernplattform werden, die Zukunft von „StudiVZ“ und „MeinVZ“ ist ungewiss. Vorbei mit Buschfunk, Gruscheln und lustigen Gruppen. Doch schlimm ist das nicht.

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Abmeldebildschirm von studivz.net mit emotionalen Avatar

Nach langer Zeit habe ich mich heute mal wieder bei StudiVZ eingeloggt. Mein Account lag ca. ein halbes Jahr brach. Selten war ich dort zu Besuch, immer wieder gab es nichts Neues, meine Freundesliste dort schrumpfte aufgrund von Abmeldungen, in den Gruppen gab es keine Aktivität und auch sonst: Nichts Neues. Außer ein neues Layout, was eine Mischung aus dem neuen Myspace und Facebook sein wollte. Nach 2 Minuten des Hin- und Herklickens war der Entschluss gefasst: Goodbye StudiVZ. Kein Mehrwert mehr, kein Grund mehr, mich dort aufzuhalten. Delete.

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Startseite von studivz.net mit werbenden Werbeslogans für die Anmeldung

Das war mal anders, und das muss auch erwähnt werden. Als ich mich vor 7 Jahren dort anmeldete, gab es viel Neues zu entdecken. Freunde, Studienkollegen und Bekannte richteten Profile ein, gründeten spannende und lustige Gruppen, man sah immer die neuesten Partybilder und konnte nach Herzenslust „Gruscheln“ und „Buschfunken“, was einem gerade in den Sinn kam. Wenn man jemanden etwas mitteilen wollte, hinterließ man einen Eintrag auf der Pinnwand, wenn es nicht alle lesen sollten, schickte man eine Nachricht. Viel Neues im Jahr 2006.

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Startseite zu Beginn des Netzwerks im Jahr 2006. Via http://wayback.archive.org

Was fehlte 2011/2012, war genau das, was Myspace schon 2006/2007 zum Verhängnis wurde. Verspätete oder gar fehlende Innovation: Die Netzwerke boten im Fluss der Zeit den Usern keinen Grund zum Bleiben und Verweilen, ein anderes Netzwerk kam, der User wechselte, und mit ihm, sein Freundeskreis. Da halfen auch verspätete Umfragen ins Netzwerk für Verbesserungsvorschläge oder eben genannter Relaunch des Design nicht. Regelmäßige Veränderungen und Erneuerungen sind attraktiv, obgleich sie auch manchmal nervig, aufwendig und umständlich sind und oft zum Aufreger mutieren (wie ja immer wieder es bei Facebook in den vergangenen Monaten war). Doch sie halten ein Netzwerk lebendig; wenn sie fehlen, wandern die User langsam aber sicher ab. So ist das Social Web: kompromisslos, wechselhaft, anspruchsvoll.

Daher: StudiVZ, wilkommen im Social Web-Museum. R.I.P.

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